Dienstag, 11. November 2008

Impressionen zur KuKi-Ausstellung

Grenzgänger und Fußgänger





Trinker



Fliesenleger (nach Antoni Gaudi)





Erntehelfer

Donnerstag, 23. Oktober 2008

Künstlerische(s) „Gestalten“ im Hotel Miramar

Zum Saisonausklang präsentiert das „Hotel Miramar“ eine ungewöhnliche Ausstellung: 16 junge Künstler zwischen 8 und 14 Jahren zeigen ihre Arbeiten, die während des Projektes KUKI unter der Anleitung der Kunstpädagogin Regina Janzen entstanden sind. KUKI – das heißt „Kunst und Kultur für Kids“ und wird bereits im dritten Jahr vom Förderverein Kunst und Kultur (FKK) im alten Stallerhaus in Garding initiiert. In fortlaufenden Kursen treffen sich dort regelmäßig Kinder und Jugendliche zum bildnerischen Gestalten. Hier stoßen nicht nur unterschiedliche Altersklassen aufeinander, sondern auch unterschiedliche Begabungen und Talente. Und genau das macht die künstlerischen Treffen so spannend: jeder kann sich einbringen, ohne Konkurrenzdruck und ohne Benotung; jeder soll und darf sich in den unterschiedlichsten Techniken erproben – hier wird gemalt, geformt, gezeichnet, eben: gestaltet!

Die Kursleiterin Regina Janzen, selbst Künstlerin und langjährige Kunstpädagogin, greift gerne die Themenwünsche der Kinder auf, leitet sie an und gibt im richtigen Moment die Impulse, auch mal über die scheinbaren Grenzen der eigenen Begabung hinaus zu gehen. Dabei entstehen nicht nur Einzelarbeiten, sondern auch großformatige Gemeinschaftskunstwerke, die schon Liebhaber in privaten und institutionellen Kreisen gefunden haben.

Das Thema dieser umfangreichen Gemeinschaftsausstellung lautet: „Gestalten“ – und das soll durchaus doppeldeutig verstanden werden. Sind es die Gestalten, die im Kunstwerk zu sehen sind, oder geht es um das Gestalten der Künstler? Die Begriffe, zu denen die Arbeiten entstanden sind, laden den Besucher dazu ein, auch einmal Positionen einzunehmen, die den alltäglichen Wahrnehmungsgewohnheiten widersprechen. So wird man in der Ausstellung „Grenzgängern“, „Schwarzmalern“ oder „Lichtgestalten“ begegnen; sie alle wollen dem – vor allem erwachsenen Publikum – vermitteln, wie ist es ist, die Welt mal wieder aus den Augen von Kindern zu sehen und einladen, gemeinsam mit ihnen neue und doch vertraute „Blickwinkel“ zu beziehen.

„GESTALTEN“: Arbeiten des Projektes KUKI (Kunst und Kultur für Kids)

Eröffnung: 16. November 2008, 11.30 Uhr, Begrüßung: Uwe Peters, Direktor „Hotel Miramar“; Einführung: Günther Lefeber

Ausstellungsdauer: 16.11.2008 – 11.1.2009; täglich von 8.00 – 23.00 Uhr

Hotel Miramar, Westerstr. 21, 25832 Tönning, Tel.: 04861/9090, http://www.miramar-net.de/

Samstag, 30. August 2008

Pole-Poppenspäler-Tage 2008

Die Pole-Poppenspäler-Tage in Husum feiern in diesem Jahr ihr 25jähriges Jubiläum. Über 70 Aufführungen, internationale Größen des europäischen Puppentheaters, eine Vortragsreihe und etliche Sonderveranstaltungen lassen die graue Stadt am Meer wieder einmal zu einem ganz besonderen Festivalort werden.

Als 1983 die Veranstalter die „Poppenspäler-Tage“ ins Leben riefen, war dies noch eine beinahe intime Veranstaltung. Inzwischen genießt das Festival internationalen Ruf und wurde mit einigen Preisen, darunter die Verleihung der Schleswig-Holstein-Medaille ausgezeichnet. Vom ursprünglichen Initiatoren-Team sind Gisela Terheggen, die heute im Vorstand des Förderkreises ist, und Gisela Sobeczko, die Ehren-Mitglied ist, immer noch als aktive Organisatoren dabei. Ohne sie und das ehrenamtliche Engagement vieler Helfer- und Helferinnen, der Unterstützung zahlreicher regionaler und landesweiter Sponsoren wäre Nordfriesland um eine Attraktion ärmer.

Der Beginn der diesjährigen Pole-Poppenspäler-Tage fällt mit der alljährlichen Stormtagung zusammen; daher ist ein Schwerpunkt auch die Interpretation von Stormschen Novellen (z.B. Genoveva – Ambrella Figurentheater sowie „Stein und Rose“ vom Puppentheater Rosi Lampe).

Das gesamte Programm in diesem Jahr bietet eine außergewöhnliche Vielfalt an Themen, die zugleich eine Rückschau auf die letzten 25 Jahre erlauben: es wurden die beliebtesten Bühnen eingeladen mit unvergesslichen, zeitlosen Inszenierungen. Mit dabei ist zum Beispiel das Hohenloher Figurentheater von Johanna und Harald Sperlich, die seit 15 Jahren regelmäßig kommen, oder Marc Schnittger mit seinem Figurentheater aus Kiel, der einer der ersten Festivalgäste war und seit 1995 selbst mit seinen Stücken in Husum auftritt. Und das Figurentheater Raphael Mürle zeigt „Glanzlichter aus 20 Jahren“ Marionettentheater.

Gerade für Kinder bietet das diesjährige Programm eine große Auswahl: Michael Ende mit seinen Büchern „Momo“ und „Das Traumfresserchen“, viele klassische Märchenadaptionen sowie ein ganz besonderes Highlight, die „Weihnachtsinsel“ im Dorfgasthof Schwesing. Hier wird zum Beispiel das beliebte Stück „Der Weihnachtshase“ des Fabula Figurentheaters gezeigt, das eben bisher nur zur Weihnachtszeit in Husum gastierte und daher nun für viele Festivalfreunde eine einmalige Gelegenheit ist, dieses Stück auch außerhalb der Saison zu genießen.

Sonderveranstaltungen, die sozusagen das Leben hinter den Bühnen, die Geschichte des Marionettentheaters und deren Akteure beleuchtet, runden das Programm ab und bieten auch dem interessierten Laien spannendes Hintergrundwissen.

Den Abschluss bietet am 29. September eine Benefiz-Gala, die Nacht der Puppen, ein über vierstündiges Spektakel mit 23 PuppenspielerInnen, einem Jubiläumsempfang und einem musikalischen Feuerwerk.

„Pole Poppenspäler Tage“ 25. Internationales Figurentheater Festival. 18. – 29. September 2007.

Programm und Karten: 04841-63242.

www.pole-poppenspaeler.de

Poppenspäler Museum: Erichsenweg 23, am Schlosspark, 25813 Husum; tägl. (außer Sa.) 14-17 Uhr.

Mittwoch, 20. August 2008

Unterm Reetdach

Reet, Ret, Reth, Ried oder Reit - das gemeine Teich- oder Schilfrohr, ein Süßwassergras, das an stehenden Gewässern, Seen, Teichen oder Gräben vorkommt. Es sieht unscheinbar aus und doch hat es eine mehr als 6000 Jahre alte Geschichte als schützendes Material für Dachabdeckungen hinter sich. Reetdächer prägen unsere norddeutsche Landschaft: man findet sie typischerweise in Schleswig-Holstein, Niedersachen, Mecklenburg-Vorpommern, vereinzelt auch in Brandenburg und sogar im Schwarzwald.

Das Haus Peters in Tetenbüll hat sich dieses Traditionsmaterial als Thema für eine kulturhistorische Ausstellung ausgewählt; gezeigt werden Fotografien, Werkzeuge und Modelle, die veranschaulichen, wie ein solches Dach gedeckt wird, wo seine Ursprüngen liegen und wie es damals und heute genutzt wird.

Wähend in vergangenen Zeiten das Reet schlicht aus praktischen Erwägungen ein Material zum Hausbau war, so ist es heutzutage schon fast ein Luxus, sich ein Reetdach zu leisten. Die natürlichen Anbauflächen in Schleswig-Holstein reichen lediglich aus, um den einheimischen Bedarf zu 10% zu decken. 90% des verwendeten Reets kommt heute aus Österreich, Ungarn und den baltischen Ländern.

Die aufwendige Art der Ernte und die besondere Handwerkstechnik, die solch ein Reetdach verlangt, wird heutzutage nicht von allen Dachdeckerbetrieben beherrscht. Das macht ein solches Dach nicht unbedingt günstig: so können sich die Kosten für ein durchschnittliches Einfamilienhaus schon mal bis auf 25.000 Euro summieren. Dazu kommen Blitzschutzanlagen und wegen der Feuergefahr erhöhte Versicherungsprämien.

Reetgedeckte Häuser baut man sich heutzutage meist aus ästhetischen Gründen, tatsächlich aber waren es einst vor allem praktische Überlegungen, die zur Verwendung des Schilfgrases führten: das Material wuchs fast überall und fiel so fast umsonst an und altes Dachmaterial ließ sich problemlos kompostieren und als Dünger verwenden.

Auch wenn jeder Halm an sich sehr dünn ist (nur 3-9mm), so bietet die Masse ausgezeichnete Wärmedämmung und hervorragenden Schutz vor eindringendem Wasser.

Um so erfreulicher ist, dass es inzwischen zahlreiche Föderprogramme gibt, die dabei helfen, dieses traditionsreiche Kulturgut der norddeutschen Landschaften zu erhalten.

Im Begleitbuch zur Ausstellung, erläutert die Autorin Brigitta Seidel neben den technischen Vorgehensweisen auch so manches Detail über volkstümlichen Aberglauben, der sich beispielsweise um die Gestaltung der Giebel rankt. Mit diesem Wissen geht man ein bisschen achtsamer spazieren und lenkt seinen Blick auf Eulenlöcher, Pferdeköpfe und Gieblspiesse.


„Unterm Reetdach“
Haus Peters, Dörpstraat 16, 25882 Tetenbüll, Info unter 04862 – 681.

Öffnungszeiten: Di. bis So. 11 bis 18 Uhr.

Dauer der Ausstellung: bis 28.9.08

Brigitta Seidel: Unterm Reetdach. Mit Fotografien von Günter Pump.

ISBN 978-3-89876-327-1; 8,95 Euro.

Das weiße Gold

Bereits im 7. Jahrhundert war in China die Kunst der Porzellan-Herstellung bekannt. Marco Polo war der erste, der um 1300 das kostbare Porzellan aus Asien nach Europa brachte. Seitdem versuchten die Europäer vergeblich, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen.

Erst auf einem Umweg gelang es Johann Friedrich Böttger und Ehrenfried Walther von Tschirnhaus 1708 ein entsprechendes Verfahren zu entwickeln. Denn eigentlich sollte Böttger im Auftrag des maroden Kurfürsten von Sachsen, August dem Starken, Gold auf alchemistischem Wege herzustellen - unter Androhung der Todesstrafe. Was sie aber fanden, war das „weiße Gold“, mit dem eine Erfolgsgeschichte begann, die bis heute andauert und das eigentlich erhoffte echte Gold aufwog.

Der Museumsberg Flensburg zeigt derzeit eine Ausstellung mit 250 Exponaten aus der eigenen Sammlung: Porzellan aus den Manufakturen Meißen, Berlin und Kopenhagen aus dem 18. und 19. Jahrhundert.

Gezeigt werden sowohl ausgewählte Einzelstücke mit ausgefallenem Dekor, alltagstaugliche Porzellankreationen wie Türknäufe, Gehstock-Handstücke oder die beliebten Meißner Zierfiguren, aber auch Beispiele aus Tafel-, Kaffee- und Teeservice aus der Massenproduktion.

1710 entstand in Meißen auf der Albrechtsburg die erste Porzellanmanufaktur, die schnell Weltruhm erlangte und bis heute genießt. Seit 1722 trägt jedes Stück, das die Manufaktur verlässt, das unverwechselbare Markenzeichen für Meißner Porzellan, die "Gekreuzten Schwerter".

Der beliebte plastische Stil Meißens mit seinen erzählenden Figuren(gruppen) beginnt zwischen 1727 und 1737 mit den Tiermodellen von Johann Gottlieb Kirchner, fortgesetzt vom Bildhauer und Modelleur Johann Joachim Kaendler, der mit seinen Kleinfigurenszenen sowohl in technischer als auch ästhetischer Hinsicht die Kultur der Porzellanplastik salonfähig machte.

Jahrzehntelang konnte Meißen sein Geheimnis bewahren, exportierte das Porzellan europaweit und macht es schließlich weltweit zu einem unersetzlichen Kulturgut.

Erst Mitte des 18. Jahrhundert entstanden weitere Manufakturen in anderen deutschen und europäischen Städten, so zum Beispiel in Höchst, Nymphenburg, Wien, Ludwigsburg, Sèvres sowie in Berlin (1751 gegründet) und Kopenhagen (1760 gegründet), aus denen in dieser Ausstellung ebenfalls Exponate - wie die aus der Königlichen Porzellan Manufaktur Berlin (KPM) - zu sehen sind.

Das Weiße Gold. Porzellan aus Meissen, Berlin und Kopenhagen.

Bis 9.10.2008. 3. August – 9. Oktober 2008

Museumsberg Flensburg (Heinrich-Sauermann-Haus, Studio)

Museumsberg 1, 24937 Flensburg; Telefon 0461/852956;

Öffnungszeiten: April – Oktober: Dienstag – Sonntag 10 – 17 Uhr

www.museumsberg.flensburg.de; museumsberg@flensburg.de

Donnerstag, 19. Juni 2008

Buchkunst – Яussisch gestimmt


Die dritte Ausstellung des russischen Ausstellungsjahres im Tönninger Hotel Miramar, die zugleich mit dem Kultursommer und dem Schleswig-Holstein Musikfestival zusammenfällt, stellt Illustrationen zu russischen Autoren in den Mittelpunkt.

Gisela Mott-Dreizler (* 1941) ist freie Malerin und Grafikerin, aber auch Illustratorin; sie beherrscht ein breites Spektrum an Techniken und hat sich seit 1970 überregional einen Ruf als erstrangige Künstlerin mit dem feinen Sinn für das Zusammenspiel von Text und bildnerischer Umsetzung gesichert.

Die Verbindung von Literatur und Kunst zu einem Gewebe, das gleichermaßen Intellekt und Auge anspricht, ist eines ihrer Hauptanliegen. Große Dichter und ihre Werke sind in ihren Bildern quasi „zuhause“. Das Erzählerische ist dabei das Hauptmerkmal ihrer „sprechenden Bilder“. Viele ihrer Holzschnitte und Radierungen bereichern die Texte der kunstvoll gefertigten Bücher des Verlages der Quetsche in Witzwort (Nordfriesland), den sie gemeinsam mit ihrem Partner Reinhard Scheuble betreibt.

Aus dem unfangreichen Programm wurden für diese Ausstellung folgende Werke ausgewählt:

Von Alexander Puschkin: „Die Mär vom Pfaffen und Töffel, seinem Arbeitsmann“ von 1833. Sie verwendet dabei den Holzschnitt als Technik. Das Märchen ist in einfachem Versmaß in Reimen verfasst. Puschkin greift hier ein Motiv auf, das man auch aus deutschen Volksmärchen kennt: der Teufel wird mit einer List ausgetrickst. Verbunden wird dieses altbekannte Erzählmuster mit den volkstümlichen, russischen Traditionen der antiklerikalen Kritik.

Nikolai Gogol: die Geschichte „Schreckliche Rache“ von 1831; als Technik wurde der Linolschnitt gewählt. Die Erzählung spielt zur Zeit des Aufstandes der ukrainischen Kosaken gegen Polen um 1648. Der Schrecken geht um bei den Kosaken: der „Zauberer" ist zurückgekehrt. Seine wahre Identität ist unbekannt; er möchte seine Tochter Katerina zum Inzest zwingen und will ihren Ehemann, den kriegerischen Kosaken Pan Danilo, töten.

Von Ivan Turgenev: die Erzählung „Phantome“ von 1863; hier arbeitet die Künstlerin mit Lithographien. Der Text aus der Spätphase des Autors ist auch unter dem Titel „Gespenster“ bekannt; es handelt sich um eine phantastische Geschichte an der Grenze zum Unheimlichen: Ein Phantom reist mit einem russischen Adligen durch Europa.

Für die Künstlerin ist es immer wieder ein beinahe mystischer Vorgang, wenn Text und Bild zusammenfinden. Denn Mott-Dreizler ist keine Illustratorin im modernen Verständnis, sie setzt den Text nicht 1:1 um, vielmehr nähert sie sich dem Text im eigentlichen Wortsinn des Begriffs „Illustrieren“ (lat. illustare): sie erhellt den Sinn des Textes, sie bringt ans Licht, was beim flüchtigen Lesen übersehen wird und was hinter dem Offensichtlichen steht, sie erklärt und interpretiert. Die Texte werden lebendig – auch deshalb, weil sich die Künstlerin von den Worten führen lässt, um die jeweils geeignete Technik auszuwählen.

Eröffnung: 13. Juli, Uhr; begleitet wird der Eröffnungsempfang mit einer Lesung aus den illustrierten Werken. Es liest: Günther Lefeber, Tönning.

Hotel Miramar, Westerstr. 21, 25832 Tönning, Tel.: 04861-9090. Öffnungszeiten: tägl. 8.00 Uhr bis 23.00 Uhr. Dauer der Ausstellung: 13. Juli – 31. August

Samstag, 14. Juni 2008

Herzoginnengarten und Dachgalerie


Seit Anfang Juni bereichern zwei Neuerungen den kulturhistorischen Wert des „Schloss vor Husum“ die Region. Nach längerer Umbauphase wurde nicht nur die 380qm große Dachboden-Galerie freigegeben, sondern auch der neugestaltete und quasi wiedererweckte Renaissancegarten, der direkt hinter dem Gebäude innerhalb der „Schlossinsel“ liegt. Für die Um- und Neugestaltung wurden insgesamt 628.000 Euro aufgewendet, die zu einem Großteil aus Landesfördermitteln bestritten werden konnten.

Der Besucher erreicht die neue Dachgalerie, die zukünftig Ausstellungen moderner Kunst vorbehalten bleibt, über den Treppenturm, der originalgetreu erhalten wurde. Das renommierte Architekturbüro Sunder-Plassmann aus Kappeln hat die Atmosphäre des Dachbodens bewusst erhalten; an Gebälk, Dielen und Wänden wurden nur minimalistische Eingriffe vorgenommen; Stellwände in den Nischen dienen als Ausstellungsfläche. Über das lichte Treppenhaus kommt man in das Dämmerlicht der Galerie, in der aktuell eine Ausstellung von Grafiken des bekannten norddeutschen Künstlers Horst Janssen (1929-1995) zu sehen ist. Die repräsentative Auswahl von Radierungen, Handzeichnungen und Lithographien wurde aus Privatbesitz zusammengetragen und ist in dieser Zusammenstellung erstmalig zu sehen. Ergänzt wird die Bilderschau auf ein bewegtes Künstlerleben mit Arbeiten von Janssens Zeitgenossen und Künstlerfreunden wie zum Beispiel Ulrich Mack, Alfred Mahlau, Ekkehard Thieme oder Paul Wunderlich.

Der Wettbewerb zur Neugestaltung des Herzoginnengartens, im 17.Jhd. auch „giordano segreto“ genannt, wurde bereits im Jahr 2002 ausgeschrieben. Mit einem Entwurf, der die traditionellen Elemente der Gartenbaukunst der Renaissance mit zeitgenössischer Gestaltung verbindet, bekam das Flensburger Gartenarchitekturbüro Kessler und Krämer den Zuschlag.

Das Husumer Schloss, dessen Park heute vor allem durch seine Millionen von Krokusblüten bekannt ist, war zu Zeiten der Herzoginnen Augusta (1580-1629) und Maria Elisabeth (1610-1684) im Besitz eines Lustgarten mit Orangerie, in dem auch Edelobst und Wein kultiviert wurde. Als das Herzogtum Schleswig-Holstein-Gottorf 1721 an Dänemark fiel, verlor die Husumer „Außenresidenz“ der Gottorfer Herzöge an Bedeutung, der Garten verwilderte. 1878 wurde er von der Stadt Husum aufgekauft; das gesamte Areal wurde nach englischem Vorbild in einen Landschaftspark umgewandelt. Der „kleine Garten“ auf der eigentlichen Schlossinsel lag weiterhin brach und blüht erst in diesem Jahr im engsten Wortsinne wieder auf.

Die klassischen Achsenbezüge wurden auch bei der Neugestaltung wieder aufgegriffen; die rasterartig angelegten Blumenbeete sind an zwei Seiten ganz typisch mit niedrigen Buchsbaumhecken eingefasst. Plattenwege mit Zitaten historischer Persönlichkeiten vermitteln die Geschichte des Ortes. Ein Wassergraben und zwei Freiplätze für Veranstaltungen setzen moderne Akzente.

Die rund 4000 Pflanzen wurden erst kürzlich eingesetzt, so dass man die spätere Blütenpracht im Moment leider nur erahnen kann. Die Pflege der Anlage unterliegt dem Theodor-Schäfer-Berufsbildungswerk, so dass hier gleichsam ein Ausbildungsplatz für junge Menschen mit Handicaps geschaffen wurde.

Unter dem Titel „Gartendenkmalpflege in Schleswig-Holstein“ findet begleitend eine Ausstellung statt, die die schönsten und bedeutendsten historischen Gärten im Land vorstellt. Erläutert wird die geschichtliche Entwicklung der Landschaftsgartenkunst und deren Bedeutung für das kulturelle Selbstverständnis von Scheswig-Holstein.

Schloss vor Husum. König-Friedrich V. Allee. 25813 Husum

Tel.: 04841-8973130 u. 2545 Tägl. außer Mo.: 11-17 Uhr.

Ausstellungen:

Gartendenkmalpflege in Schleswig-Holstein. Bis 31.10.08

Dachgalerie: Horst Janssen und seine Künstlerfreunde. Bis 31.8.08

Parallel dazu findet eine Vortragsreihe statt zum Thema „Gartenhistorie in Schleswig-Holstein“:

http://www.museumsverbund-nordfriesland.de/schloss-vor-husum/67-0-Veranstaltungen.html

Freitag, 23. Mai 2008

Ludwig Dettmann


Ludwig Dettmann, der 1865 in Flensburg geboren wurde, galt in seiner Epoche als Wegbereiter des deutschen Impressionismus. Heute kann man ihn leider schon zu den vergessenen Malern zählen – zu Unrecht, wie die aktuelle Ausstellung am Museumsberg Flensburg beweist. Die umfangreiche Bilderschau, die Werke aus zahlreichen privaten Sammlungen und deutschen Museen zusammengetragen hat, würdigt einen Maler, der stets die Balance zu halten suchte zwischen Avantgarde und Anpassung.

Nach einer Zeichenlehrerausbildung in Hamburg und dem Studium an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin kamen rasch erste Erfolge als Landschaftsmaler, Dekorationsmaler und Illustrator. Das Leben in der Metropole und Reisen nach Holland, London und Paris machten ihn mit den neuen Tendenzen der Landschaftsmalerei und deren Vertretern vertraut und bekannt.

Zwischen 1890 und 1900 begann sein künstlerischer Aufstieg: Auftragsarbeiten und Ausstellungen, sein Bild „Abendmahl“ wurde sogar auf der Weltausstellung von Paris 1900 mit der Goldmedaille ausgezeichnet.

1898 gehörte Dettmann neben Max Liebermann und Walter Leistikow zu den Mitbegründern der Berliner Sezession. Von 1901-1916 hat er das Amt des Direktors der berühmten Königsberger Kunstakademie inne.

Neben diesen Polen – Großstadt Berlin mit Aufbruchstimmung und neuen Ideen und Königsberg als Pfeiler der Tradition – hat ihn vor allem die schleswig-holsteinische Landschaft angezogen; hier zwischen den Meeren, an Nord- und Ostsee, bei Aufenthalten mit Otto Heinrich Engel auf den Halligen und den Inseln entstanden seine schönsten Landschaftsbilder und Sujetdarstellungen der von den Naturgewalten geprägten Menschen an der Küste.

Gerade in seinen Landschaftsbildern zeigt sich Dettmann in fast allen seinen malerischen Phasen als echter Impressionist; wie er hier mit Licht- und Farbreflexen spielt, macht deutlich, dass er für den Impressionismus in Deutschland wirklich prägend war.

In den Jahren 1913 und 1914 entstehen monumentale Wandgemälde zu historischen Ereignissen wie dem 100. Jahrestag der napoleonischen Befreiungskriege oder dem Sturm auf die Düppelner Schanzen, in denen Dettmann einen geradezu nationalistischen, beinahe heroischen Stil pflegt.

Dettmann ist fast 50 als der Erste Weltkrieg ausbricht; er will „sich nützlich machen“, wie er schreibt und ist während der Jahre 1914-18 als Kriegszeichner tätig. Es entstehen beeindruckende Zeichnungen, Gouachen und Aquarelle, ungeschönt und realistisch, aber weder kriegsverherrlichend noch anklagend.

Bis zu seinem Tode 1944 lebt der Künstler vornehmlich in Berlin; er reist nach Sylt und Ostpreußen und findet hier zurück zu seinem Stil; 1928 dokumentiert er in Bilder die Fahrt des Luftschiffes „Graf Zeppelin“.

1933 tritt er in die NSDAP ein und wird Vorstand im Reichsverband bildender Künstler. Seine politische Fehleinschätzung führte auch in seinem Spätwerk zu einer Verherrlichung des nationalsozialistischen Regimes, was mit ein Grund dafür sein mag, warum er nach seinem Tode schnell in Vergessenheit geriet.

Ludwig-Dettmann – Zwischen Avantgarde und Anpassung. Bis 29. Juni 2008.

Museumsberg Flensburg. Hans-Christansen-Haus. 0461/852956. Di.-So.: 10-17 Uhr.

http:://.www.museumsberg.flensburg.de

Zur Ausstellung ist das gleichnamige Buch von Monika Potztal im Boyens Verlag erschienen.

Jugendstilträume

Giorgio Silzer, international bekannter Geiger und Konzertmeister (u.a. Deutsche Oper Berlin) hat neben der Musik noch eine weitere Leidenschaft: er sammelt kunsthandwerkliche Arbeiten des Jugendstils. Im Laufe seiner Sammeltätigkeit, die sich auf Keramik, Glas, Zinn und Silberbesteck konzentriert, hat er auf seinen Reisen eine umfangreiche Kollektion von Kostbarkeiten aus der Zeit der „Belle Èpoque“ zusammengetragen, die er bereits seit Ende der 1970er Jahre auch der Öffentlichkeit zugänglich macht.

Im Studio des Heinrich-Sauermann-Hauses des Musemsbergs Flensburg werden nun 200 Exponate unter dem Motto „Jugendstilträume“ gezeigt.

Mit Jugendstil bezeichnet man eine europaweite stilistische Erscheinungsform, die sich vor allem auf die Zeit von ca. 1890 bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges erstreckte. Seine Blütezeit hatte er sicherlich im fin de siècle des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Begriffe wie „Art Noveau“, „Stile florale“ oder „Sezessionsstil“ stehen für die nationalen Varianten einer Kunstrichtung, die die Rückbesinnung auf Elemente der Natur forderte und das Zusammenspiel aller künstlerischen und kunsthandwerklichen Techniken hin zum Gesamtkunstwerk anstrebte. Manche Spielarten des Jugendstils setzen auf Schlichtheit, auf Funktionalität und Form, andere liebten das Verspielte und Ornamentale. Auf dem Weg zur Moderne, abschiednehmend vom Historismus, darf der Jugendstil als Vorreiter für Bauhaus und Neue Sachlichkeit gelten.

Die Sammlung Silzers repräsentiert diese stilistische Vielfalt in besonderer Weise, zumal hier auch die renommiertesten Werkstätten ganz Europas vertreten sind: Silberbestecke, entworfen von Peter Carl Fabergé, Henry van de Velde oder Heinrich Vogeler; Keramiken von Clément Massier mit seinen einzigartigen Lüsterglasuren oder die japanisch inspirierten Vasen von Théodore Deck. Als „Gläserne Epoche“ fand im Jugendstil auch eine Neuentdeckung des Materials Glas statt, das sich durch seine filigrane Ästhetik auszeichnet; als bedeutendster Vertreter gilt Emile Gallé, dessen florale Kreationen auch von japanischer Kunst und Botanik geprägt sind.

Eine weitere Kategorie der Silzer-Sammlung sind Objekte aus Zinn; sein Schwerpunkt liegt hier bei den Arbeiten aus der deutschen Firma J.P.Kayser in Krefeld und Köln, deren Produkte als „Kayser-Zinn“ international bekannt wurden. Zinn galt allgemein als reines Gebrauchsmaterial und wurde erst im Jugendstil zum künstlerischen Material aufgewertet.

Mit dieser Sammlung ist es Giorgio Silzer gelungen, so etwas wie ein Gesamtkunstwerk zu schaffen – so wie es der Jugendstil für sich eingefordert hat. Dabei bekennt der Sammler: „Die Stücke haben mich gefunden, nicht ich die Stücke“.

Jugendstilträume – Die Sammlung Giorgio Silzer.

Bis 13. Juli 2008.

Museumsberg Flensburg. Heinrich-Sauermann-Haus.

0461/852956. Di.-So.: 10-17 Uhr.

http:://.www.museumsberg.flensburg.de

Zur Ausstellung ist ein gleichnamiger Katalog erhältlich.

Mittwoch, 23. April 2008

Igor Rutter: Von Russland nach Deutschland

Am 10. Mai startet die zweite Ausstellung im Russland-Jahr des Tönninger Hotels Miramar mit Igor Rutter, der u.a. an der Leningrader Kunsthochschule studiert hat und bereits seit den 1970er Jahren regelmäßig ausstellt.

Rutter wurde 1959 in Komsomolsk am Amur geboren und wuchs in ländlicher Umgebung auf; eine Erfahrung, die in thematisch bis heute inspiriert. Szenerien aus dem ländlichen Alltagsleben durchziehen sein Werk und zeigen seine tiefe Verwurzelung in dieser unverfälschten russischen Kultur.

Schon früh zeigte sich sein malerisches Talent; er besuchte eine Kinderkunstschule, später die berühmte Leningrader Kunstschule „Johanson“ und die „Ilja-Repin-Kunstakademie“. Schnell stellten sich erste Erfolge als Theater- und Bühnenmaler ein, was auch für seine spätere, rein malerische Karriere, prägend war: denn bis heute bevorzugt er das große Format.

2003/2004 initiierte Igor Rutter ein Kunstprojekt zugunsten einer Tschernobylhilfsorganisation, die eine Erholungsmaßnahme für Kinder zur Verfügung stellt. Das Motiv orientiert sich am Musical „Tabaluga“ und Peter Maffay selbst wurde sozusagen zum Paten dieses gemeinnützigen Kunstprojektes.

Heute lebt Igor Rutter in der Nähe von Wolfenbüttel und unterhält ein Zweitatelier auf Sylt mit eigener Galerie.

Auf seinen Reisen durch seine russische Heimat lernte er Menschen und ihre Charaktere kennen, sah sie in ihrer Not, in Elend, aber auch in glücklichen Momenten. Alle Facetten des Lebensalltags sind ihm gleich lieb, um sie zu porträtieren und festzuhalten.

Mit seinen Bildern erzählt er immer auch Geschichten; man spürt seine Liebe für das Volkstümliche seines Landes: hier wird zugleich das alte, wie auch das neue Russland präsent. Diese tiefe Verbundenheit ist allgegenwärtig in den Bildern: die oftmals dunklen Farbtöne, der sozialkritische Unterton mit parodistischen Einschlag, die Realitätsnähe, selbst dort, wo er abstrahiert. Man fühlt sich erinnert an die großen Erzähler seiner Heimat wie Tolstoi oder Dostojewski; was sie mit großen Worten schafften, setzt Rutter in eindrucksvolle Bilder um.

Eröffnungsempfang: 10. Mai, 11-13 Uhr. Der Künstler ist anwesend. Passend zu Werken von Igor Rutter können die Gäste das dreigängige „Lieblingsmenü des Künstlers“ im hoteleigenen Restaurant „Windrose“ genießen.

Es spielt das ukrainisch besetzte Trio „Mara“ aus Westerland (Sylt). Das Trio besteht aus Elena Hörmann, Anna Roman und Olga Ernst. Sie treten in volkstümlicher Tracht auf; Instrumente: Zymbal und Klavier.

Hotel Miramar, Westerstr. 21, 25832 Tönning, Tel.: 04861-9090. Öffnungszeiten: tägl. 8.00 Uhr bis 23.00 Uhr. Ausstellungsdauer: bis 1.7.08


Dienstag, 1. April 2008

Gertrud Caspari - Kinderwelten

Zum Auftakt des diesjährigen Ausstellungsjahres zeigt das Haus Peters in Tetenbüll bis Juli eine Sonderausstellung, die Erwachsene und Kinder gleichermaßen begeistern wird und so manchen Besucher zurück in seine eigene Kindheit entführt.

Über 50 Exponate lassen das Leben der wohl bekanntesten und erfolgreichsten Kinderbuchillustratorin wieder lebendig werden: Gertrud Caspari (1873-1948), deren Todestag sich in diesem Jahr am 7. Juni zum 60. Mal jährt.

Vielen dürften ihre Geschichten, Lieder und Gedichte bis heute in Erinnerung sein. Zusammen mit ihrem Bruder Walter Caspari, den Autoren Heinrich Meise und Adolf Holst publizierte sie über 50 Bilderbücher; dazu kamen zahlreiche Illustrationen von Schul-, Lieder- oder Märchenbüchern. Sie erreichte Auflagen in Millionenhöhe, wurde berühmt als Erfinderin des „Kleinkinderstils“ und von Generationen von Kinder geliebt.

Doch ihr wirkliches Leben verlief nicht so strahlend wie man vermuten könnte: der Vater verstarb früh und die Mutter musste Gertrud und ihre vier Geschwister alleine durchbringen; gesellschaftliche Zwänge versagten ihr – der künstlerisch Hochbegabten – ein Studium an der Kunstakademie. Mit 25 Jahren erkrankte sie schwer und war über Jahre bettlägerig. Seit Beginn ihrer Karriere arbeitete Gertrud Caspari unermüdlich, um den Lebensunterhalt für sich, ihre Mutter und ihre ebenfalls unverheiratete Schwester Margarethe aufbringen zu können. Im Zweiten Weltkrieg wurden ihre Skizzen, Manuskripte und Druckplatten komplett vernichtet. Die letzten Lebensjahre verbrachte sie in Lößnitz im Erzgebirge unter ärmlichsten Verhältnissen; Hunger und Kälte ließen sie auf 35kg abmagern.

Dennoch blieb sie in allen Phasen ihres Lebens den Kindern zugeneigt, auch wenn ihr eigene Kinder versagt blieben.

Die Anregung zur Entwicklung des typischen „Caspari-Stils“ fand sie in Spielzeugfiguren aus dem Erzgebirge; daraus entwickelte sie nach und nach eine besondere Art der Darstellung des kindlichen Lebens: flächige Farbgebung mit deutlichen Konturen, leuchtende Farben, der Verzicht auf perspektivische Verkürzung. Stilistisch angesiedelt zwischen Expressionismus, Neuer Sachlichkeit und Jugendstil. Immer werden die Kinder in ihrer natürlichen Umgebung porträtiert, sodass sie sich selbst in den Motiven wiedererkennen können.

Oft warf man ihr vor, unkritisch nur die „heile Welt“ zu zeigen; aber vielleicht war dies nur eine unbewusste Suche nach Geborgenheit in einer Zeit, die sich mit jedem Tag von den bisherigen, bürgerlichen Idealen entfernte.

Die Ausstellung zeigt – neben bekannten Kinderbüchern wie „Kinderhumor für Auge und Ohr“ (1907) oder „Kinderland, du Zauberland“ (1908) - auch Aquarelle und Skizzen der Künstlerin, Entwürfe zu Wandfriesen, Kalender und persönliche Dinge aus dem Nachlass.

Eine Reise in eine behütete Welt voll spielerischer Leichtigkeit.

Haus Peters, Dörpstraat 16, 25882 Tetenbüll, Info unter 04862 – 681.

Öffnungszeiten: Di. bis So. 14 bis 18 Uhr, Juni bis September 11 bis 18 Uhr.

Dauer der Ausstellung: bis 6.7.08


Freitag, 14. März 2008

Museumsberg Flensburg: neue Ausstellungen

Am Museumsberg Flensburg laufen derzeit zwei außergewöhnliche Ausstellungen, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

„Time will show“ zeigt – erstmalig seit 20 Jahren in Deutschland – zeitgenössische Kunst aus Lettland; die Ausstellung legt ihren Schwerpunkt auf Medienkunst.

Die zweite Schau beleuchtet das Leben des Multitalents Hans Holtorf (1899-1984). Der gebürtige Friedrichstädter war in vielen Berufen zuhause: Maler, Autor und Übersetzer, Schauspieler und Regisseur. Herausgegriffen wurde die Phase seines turbulenten Lebens, in der mit dem „Maskenwagen der Holtorf-Truppe“ unterwegs war.

Im Jahr 1920 begann Hans Holtorf eine Truppe junger Schauspieler um sich zu scharen, um seine eigenen schauspielerischen, aber auch masken- und bühnenbildnerische Ambitionen auszuleben. In diesem Umfeld war es ihm möglich, alle seine Talente zur Entfaltung zu bringen. Mit Maskenwagen und Truppe zog er bis 1925 durch das ganze Land, trat in Theatern oder Kirchen auf.

Was zu Beginn noch recht amateurhaft wirkte, wurde bald zu einem professionellen Unternehmen mit durchschnittlich 20 Ensemble-Mitgliedern.

In einer Zeit, die geprägt war von Theaterreformen und kontroversen künstlerischen Bestrebungen, musste so eine fahrende Truppe beinahe wie ein exotisches Relikt aus dem Mittelalter erscheinen. Heute ist Holtorfs Maskenwagen geradezu Legende; das Theater als Gesamtkunstwerk, das ästhetische und konzeptionelle Ansprüche vereinigte. Schauspieler, Kostüme, Bühnenbild und das Dasein als „fahrende Truppe“ wurden zu einer übergeordneten Inszenierung, die auch unabhängig von den einzelnen Theaterinszenierungen existierte.

Die Exponate entstammen dem Nachlass des Künstlers, der in der Theatergeschichtlichen Sammlung der Universität Kiel aufbewahrt wird. Die Ausstellung zeigt Bühnen-, Kostüm- und Maskenentwürfe, Regiebücher, Programmhefte, Plakate oder auch Schminkentwürfe wie die zum „Lübecker Totentanz“, der ab 1921 zur Aufführung kam. Auch zu Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung“ (1924/25 aufgeführt) liegen zahlreiche Kostümdarstellungen, Bühnenbilder und Szenenfotos vor, die alle den Erfindungsreichtum Holtorfs anschaulich dokumentieren.

Mit der Ausstellung junger lettischer Kunst gibt der Museumsberg Einblicke die Szene eines kleinen, aber künstlerisch sehr aktiven Landes, das im Westen jedoch zu Unrecht kaum wahrgenommen wird. Dieser Einblick ist daher längst überfällig. Die Auswahl beschränkt sich auf Künstlerinnen und Künstler zwischen 25 und 40 Jahren. Der Titel verdankt sich einem ebenfalls gezeigten Werk der Künstlergruppe „F5/Famous Five“. „Time will show“ ist eine Art Trauergerüst, wie man es als „castrum doloris“ aus der Renaissance oder dem Barock kennt. Das großformatige Gerüst ist mit Plastikblumen geschmückt und trägt einen Sarg mit geöffnetem Deckel. So wird der Blick auf einen Monitor freigegeben, auf dem man in einer Video-Endlosschleife einen schwebenden Schmetterling sieht, untermalt von einer Geräuschkulisse aus Industrie- und Weltallklängen. Warten und Schweben sind die beiden Schlüsselbegriffe dieses Objektes, die den Betrachter leitmotivisch durch die gesamte Ausstellung begleiten und ihn unaufdringlich und einfühlsam zu einem Verständnis der lettischen Kunst geleiten.

„Hans Holtorf und der Maskenwagen“. Bis 4. Mai 2008.
„Time will show – Junge Kunst aus Lettland“. Bis 13. April 2008.
Museumsberg Flensburg. Hans-Christansen-Haus. 0461/852956. Di.-So.: 10-17 Uhr. http:://.www.museumsberg.flensburg.de

Kataloge:
Annette Wittboldt (Hrsg.): Hans Holtorf und der Maskenwagen der Holtorf-Truppe. Boyens Buchverlag Heide.
2008
Time will Show (Hrsg. v. Ulrich Schulte-Wülwer).
Museumsberg Flensburg 2008. Katalog der Ausstellung.

Donnerstag, 6. März 2008

Ekaterina Ezhkova - russische Erinnerungen

Bereits im vierten Jahr schließt sich das „Hotel Miramar“ in Tönning/Eiderstedt dem Schwerpunkt des Schleswig-Holsteinischen Kultursommers an und widmet das gesamte Ausstellungsjahr dem Thema Russland.

Den Anfang macht die St. Petersburgerin Ekaterina Ezhkova. Die Künstlerin (* 1977), die heute in Kiel lebt, ist eine Wanderin zwischen den Kulturen. Sie wuchs in St. Petersburg auf, absolvierte an der dortigen Akademie für Kunst und Design auch ihr Studium. Es folgten in kurzer Zeit Auszeichnungen und Preise (u.a. der russische Designpreis), internationale Stipendien und zahlreiche Ausstellungen (Dänemark, Moskau, St. Petersburg, Nord Art Büdelsdorf, Kunsthalle Rostock).

Eine Konstante in ihrem Werk ist die menschliche Gestalt. Aber auch schlichten Alltagsdingen leiht sie ihre Aufmerksamkeit. Sie zeigt, was andere übersehen oder das, was längst vergessen ist, so zum Beispiel in den umgesetzten Erinnerungen ihres Großvaters aus den 1960er Jahren. "Vor nicht zu langer Zeit fand ich den photographischen Nachlass meines Großvaters, der zu Lebzeiten hoher Marineoffizier war, in seiner Freizeit aber leidenschaftlich photographierte", schreibt Ezhkova.

„Ich bekam schreckliche Lust, einige Personen in dieser Zeit neu aufleben zu lassen“. Dieser eigenwillige Bilderzyklus, der den Betrachter sowohl in eine andere Zeit als auch eine andere Kultur entführt, ist in Mischtechnik aus Tempera und Tusche gefertigt. Die Künstlerin liebt es, ihre gemalten Geschichten in der Schwebe zu lassen; vielen Bildern haftet etwas Unfertiges an: so sind manche Personen lebendig ausgestaltet und mit liebevollen Details ausgestattet, andere bleiben skizzenhaft, durchscheinend, so als könne man ihre Anwesenheit nur erahnen. Doch gerade diese Kombination lässt ihre Motive so eindringlich wirken; der Betrachter selbst wird so ein Teil dieser Erinnerungen.

Ekaterina Ezhkova ist viel unterwegs, immer auf der Suche nach Motiven, die ihr der Alltag zur Verfügung stellt. So findet sie Motive, die nicht unbedingt jeden ansprechen; aber ihre Bilder entstehen auch nicht, um zu gefallen, sondern um Emotionen und Assoziationen zu wecken.

Parallel zur Ausstellung lädt das hoteleigene Restaurant „Windrose“ zu einem kulinarischen Ausflug nach Russland ein; passend zu Werken von Ekaterina Ezhkova können die Gäste das dreigängige „Lieblingsmenü der Künstlerin“ genießen.

22. März bis 1. Mai 2008. Am Eröffnungstag findet zwischen 11 und 13 Uhr ein Empfang statt. Die Künstlerin ist anwesend.

Hotel Miramar, Westerstr. 21, 25832 Tönning, Tel.: 04861/9090, http://www.miramar-net.de/; täglich von 8.00 – 23.00 Uhr.

Sonntag, 2. März 2008

Krokusblüte

Noch ein Bild zur aktuellen Krokusblüte in Husum; diesmal vor dem Freilichtmuseum "Ostenfelder Bauernhaus". Es handelt sich um ein niederdeutsches Fachhallenhaus - vermutlich um 1650 errichtet -, das bereits 1899 auf Veranlassung des Husumer Heimatforschers und Lehrers Magnus Voß von Ostenfeld (ca. 15 km entfernt) nach Husum versetzt wurde.
Das Haus ist originalgetreu restauriert und eingerichtet und lädt zu einer Zeitreise in das damalige ländliche Leben ein.


Öffnungszeiten:
April – Oktober Di.-So. 10 – 12 Uhr 14 – 17 Uhr
25813 Husum
Nordhusumer Str. 13

Samstag, 1. März 2008

Nolde-Saison 2008

"Zwischen Berlin und Russland"

Im Jahr 1913 brachen Emil und Ada Nolde zu einer „Medizinisch-Demographischen Expedition“ auf. Das Ziel: die Südsee. Die Reise führte sie zunächst von Berlin nach Moskau und von dort mit der Transsibirischen Eisenbahn durch Russland.

In Anlehnung an das aktuelle SHMF-Schwerpunktthema "Russland" präsentiert die Nolde-Stiftung in ihrer Jahresschau eebenfalls ein eigenes Russland-Kabinett.

Die Aquarelle und Zeichnungen aus dieser Zeit wirken wie unmittelbare Notizen, sind wie auf Papier gebannte flüchtige Momente.
Seinerzeit legt
e der „Sibirienzug“ alle 4 bis 6 Stunden einen 20minütigen Halt ein: „Mit meiner Feder zeichnete ich und zeichnete [...]. Ein kauerndes Menschenpaar saß übernächtig aneinandergelehnt. Ich zeichnete sie; ihm war zu warm, er schob die Ohrenklappen hoch, dann bewegten sie sich, ich zeichnete wieder.“

Dass diese Eindrücke nachhaltig auf Nolde wirkten, zeigen auch seine 1914 und 1917 entstanden Ölbilder („Drei Russen“ und „Revolution“), die im Gemäldesaal zu sehen sind.

Neben beliebten Bildern wie den bekannten Mohnblüten („Großer Mohn, rot, rot, rot“), den beinahe schon obligatorischen „Ungemalten Bildern“ aus der Zeit des Malverbots und den Aquarellen, die den alljährlichen Noldekalender schmücken, sind diesmal auch Werke ausgewählt, die bislang entweder noch nie in Seebüll oder sogar noch nirgendwo ausgestellt waren. Insgesamt 146 Exponate gibt es in dieser Saison zu sehen; eine Reduzierung im Vergleich zu den vorigen Jahren, die jedoch zugunsten einer großzügigen Hängung geht und so die Konzentration auf die diesjährigen Kernthemen erlaubt.

Ein zweiter Aspekt der Schau ist Noldes Großstadtleben in Berlin gewidmet, wo es ihn seit 1905 immer wieder hinzog. Vom platten Land hinein in eine Welt der Cafés, Varietés, Cabarets und des Theaters: Allabendlich streifte er durch das Nachtleben: „Ich zeichnete, das Licht der Säle, [...], die Menschen alle, ob schlecht oder recht, ob Halbwelt oder ganz verdorben.“
Expres
sive Gesellschaftsstudien entstanden während dieser Zeit, genau beobachtet und porträtiert, mit all den Eigenarten der Berliner Bohéme.

Zwei weitere Kabinette mit Aquarellen und Radierungen von 1920/1925 sind der Landschaft um Utenwarf gewidmet. Dort am Ruttebüller See (unweit von Seebüll) zog es ihn 1916 nach seiner Zeit in Alsen. Nach dem „milden“ und „lieblichen“ Klima von Alsen sehnte sich Nolde nach der „herben, starken Schönheit“ der Marschen. Hier entstanden jene dramatischen Landschaftsstudien mit dem tiefliegenden Horizont, den sich auftürmenden Wolken und den unglaublichen Farbenspielen, die Nolde so berühmt machten, aber ebenso sensible Schwarz-Weiß-Radierungen, die präzise den Charakter dieser Landschaft einfangen.

Zahlen, Fakten, Ausblick:
Die Bilanz des Ausstellungsjahres 2007 ist überaus erfolgreich: Rund 95.000 Besucher, das bedeutet 20.000 mehr als im Vorjahr. Positiv angenommen wurden die Malkurse, insbesondere auch die deutsch-dänischen Programme für Kinder sowie das neue Restaurant, das vom Theodor-Schäfer-Berufsbildungswerk geführt wird.
Für dieses Jahr ist ein Ausbau des Besucherservices geplant. Das Ziel ist, mit den Besucherzahlen die magische Grenze von 100.000 zu überschreiten. Neue Marketingpläne wie ein Shuttleservice vom Festland und den Inseln, der Verkauf von Samen und Pflänzchen aus dem Nolde-Garten, eine „Nolde-Mohn-Schokolade“ sowie verlängerte Öffnungszeiten in den Sommermonaten sollen die Attraktivität zusätzlich steigern

Nolde-Museum Seebüll. „Emil Nolde – Zwischen Berlin und Russland.“
Tel.: 04664/983930. Öffnungszeiten: bis 30. November 2007: tägl. 10-18 Uhr. www.nolde-stiftung.de.
Eintritt: 8,- € Erwachsene; 3,- € Kinder/Studenten; 30,- € Jahreskarte.
Restaurant Seebüll. Tägl. von 9-23 Uhr. Tel.: 04664/983970