Freitag, 14. März 2008

Museumsberg Flensburg: neue Ausstellungen

Am Museumsberg Flensburg laufen derzeit zwei außergewöhnliche Ausstellungen, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

„Time will show“ zeigt – erstmalig seit 20 Jahren in Deutschland – zeitgenössische Kunst aus Lettland; die Ausstellung legt ihren Schwerpunkt auf Medienkunst.

Die zweite Schau beleuchtet das Leben des Multitalents Hans Holtorf (1899-1984). Der gebürtige Friedrichstädter war in vielen Berufen zuhause: Maler, Autor und Übersetzer, Schauspieler und Regisseur. Herausgegriffen wurde die Phase seines turbulenten Lebens, in der mit dem „Maskenwagen der Holtorf-Truppe“ unterwegs war.

Im Jahr 1920 begann Hans Holtorf eine Truppe junger Schauspieler um sich zu scharen, um seine eigenen schauspielerischen, aber auch masken- und bühnenbildnerische Ambitionen auszuleben. In diesem Umfeld war es ihm möglich, alle seine Talente zur Entfaltung zu bringen. Mit Maskenwagen und Truppe zog er bis 1925 durch das ganze Land, trat in Theatern oder Kirchen auf.

Was zu Beginn noch recht amateurhaft wirkte, wurde bald zu einem professionellen Unternehmen mit durchschnittlich 20 Ensemble-Mitgliedern.

In einer Zeit, die geprägt war von Theaterreformen und kontroversen künstlerischen Bestrebungen, musste so eine fahrende Truppe beinahe wie ein exotisches Relikt aus dem Mittelalter erscheinen. Heute ist Holtorfs Maskenwagen geradezu Legende; das Theater als Gesamtkunstwerk, das ästhetische und konzeptionelle Ansprüche vereinigte. Schauspieler, Kostüme, Bühnenbild und das Dasein als „fahrende Truppe“ wurden zu einer übergeordneten Inszenierung, die auch unabhängig von den einzelnen Theaterinszenierungen existierte.

Die Exponate entstammen dem Nachlass des Künstlers, der in der Theatergeschichtlichen Sammlung der Universität Kiel aufbewahrt wird. Die Ausstellung zeigt Bühnen-, Kostüm- und Maskenentwürfe, Regiebücher, Programmhefte, Plakate oder auch Schminkentwürfe wie die zum „Lübecker Totentanz“, der ab 1921 zur Aufführung kam. Auch zu Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung“ (1924/25 aufgeführt) liegen zahlreiche Kostümdarstellungen, Bühnenbilder und Szenenfotos vor, die alle den Erfindungsreichtum Holtorfs anschaulich dokumentieren.

Mit der Ausstellung junger lettischer Kunst gibt der Museumsberg Einblicke die Szene eines kleinen, aber künstlerisch sehr aktiven Landes, das im Westen jedoch zu Unrecht kaum wahrgenommen wird. Dieser Einblick ist daher längst überfällig. Die Auswahl beschränkt sich auf Künstlerinnen und Künstler zwischen 25 und 40 Jahren. Der Titel verdankt sich einem ebenfalls gezeigten Werk der Künstlergruppe „F5/Famous Five“. „Time will show“ ist eine Art Trauergerüst, wie man es als „castrum doloris“ aus der Renaissance oder dem Barock kennt. Das großformatige Gerüst ist mit Plastikblumen geschmückt und trägt einen Sarg mit geöffnetem Deckel. So wird der Blick auf einen Monitor freigegeben, auf dem man in einer Video-Endlosschleife einen schwebenden Schmetterling sieht, untermalt von einer Geräuschkulisse aus Industrie- und Weltallklängen. Warten und Schweben sind die beiden Schlüsselbegriffe dieses Objektes, die den Betrachter leitmotivisch durch die gesamte Ausstellung begleiten und ihn unaufdringlich und einfühlsam zu einem Verständnis der lettischen Kunst geleiten.

„Hans Holtorf und der Maskenwagen“. Bis 4. Mai 2008.
„Time will show – Junge Kunst aus Lettland“. Bis 13. April 2008.
Museumsberg Flensburg. Hans-Christansen-Haus. 0461/852956. Di.-So.: 10-17 Uhr. http:://.www.museumsberg.flensburg.de

Kataloge:
Annette Wittboldt (Hrsg.): Hans Holtorf und der Maskenwagen der Holtorf-Truppe. Boyens Buchverlag Heide.
2008
Time will Show (Hrsg. v. Ulrich Schulte-Wülwer).
Museumsberg Flensburg 2008. Katalog der Ausstellung.

Donnerstag, 6. März 2008

Ekaterina Ezhkova - russische Erinnerungen

Bereits im vierten Jahr schließt sich das „Hotel Miramar“ in Tönning/Eiderstedt dem Schwerpunkt des Schleswig-Holsteinischen Kultursommers an und widmet das gesamte Ausstellungsjahr dem Thema Russland.

Den Anfang macht die St. Petersburgerin Ekaterina Ezhkova. Die Künstlerin (* 1977), die heute in Kiel lebt, ist eine Wanderin zwischen den Kulturen. Sie wuchs in St. Petersburg auf, absolvierte an der dortigen Akademie für Kunst und Design auch ihr Studium. Es folgten in kurzer Zeit Auszeichnungen und Preise (u.a. der russische Designpreis), internationale Stipendien und zahlreiche Ausstellungen (Dänemark, Moskau, St. Petersburg, Nord Art Büdelsdorf, Kunsthalle Rostock).

Eine Konstante in ihrem Werk ist die menschliche Gestalt. Aber auch schlichten Alltagsdingen leiht sie ihre Aufmerksamkeit. Sie zeigt, was andere übersehen oder das, was längst vergessen ist, so zum Beispiel in den umgesetzten Erinnerungen ihres Großvaters aus den 1960er Jahren. "Vor nicht zu langer Zeit fand ich den photographischen Nachlass meines Großvaters, der zu Lebzeiten hoher Marineoffizier war, in seiner Freizeit aber leidenschaftlich photographierte", schreibt Ezhkova.

„Ich bekam schreckliche Lust, einige Personen in dieser Zeit neu aufleben zu lassen“. Dieser eigenwillige Bilderzyklus, der den Betrachter sowohl in eine andere Zeit als auch eine andere Kultur entführt, ist in Mischtechnik aus Tempera und Tusche gefertigt. Die Künstlerin liebt es, ihre gemalten Geschichten in der Schwebe zu lassen; vielen Bildern haftet etwas Unfertiges an: so sind manche Personen lebendig ausgestaltet und mit liebevollen Details ausgestattet, andere bleiben skizzenhaft, durchscheinend, so als könne man ihre Anwesenheit nur erahnen. Doch gerade diese Kombination lässt ihre Motive so eindringlich wirken; der Betrachter selbst wird so ein Teil dieser Erinnerungen.

Ekaterina Ezhkova ist viel unterwegs, immer auf der Suche nach Motiven, die ihr der Alltag zur Verfügung stellt. So findet sie Motive, die nicht unbedingt jeden ansprechen; aber ihre Bilder entstehen auch nicht, um zu gefallen, sondern um Emotionen und Assoziationen zu wecken.

Parallel zur Ausstellung lädt das hoteleigene Restaurant „Windrose“ zu einem kulinarischen Ausflug nach Russland ein; passend zu Werken von Ekaterina Ezhkova können die Gäste das dreigängige „Lieblingsmenü der Künstlerin“ genießen.

22. März bis 1. Mai 2008. Am Eröffnungstag findet zwischen 11 und 13 Uhr ein Empfang statt. Die Künstlerin ist anwesend.

Hotel Miramar, Westerstr. 21, 25832 Tönning, Tel.: 04861/9090, http://www.miramar-net.de/; täglich von 8.00 – 23.00 Uhr.

Sonntag, 2. März 2008

Krokusblüte

Noch ein Bild zur aktuellen Krokusblüte in Husum; diesmal vor dem Freilichtmuseum "Ostenfelder Bauernhaus". Es handelt sich um ein niederdeutsches Fachhallenhaus - vermutlich um 1650 errichtet -, das bereits 1899 auf Veranlassung des Husumer Heimatforschers und Lehrers Magnus Voß von Ostenfeld (ca. 15 km entfernt) nach Husum versetzt wurde.
Das Haus ist originalgetreu restauriert und eingerichtet und lädt zu einer Zeitreise in das damalige ländliche Leben ein.


Öffnungszeiten:
April – Oktober Di.-So. 10 – 12 Uhr 14 – 17 Uhr
25813 Husum
Nordhusumer Str. 13

Samstag, 1. März 2008

Nolde-Saison 2008

"Zwischen Berlin und Russland"

Im Jahr 1913 brachen Emil und Ada Nolde zu einer „Medizinisch-Demographischen Expedition“ auf. Das Ziel: die Südsee. Die Reise führte sie zunächst von Berlin nach Moskau und von dort mit der Transsibirischen Eisenbahn durch Russland.

In Anlehnung an das aktuelle SHMF-Schwerpunktthema "Russland" präsentiert die Nolde-Stiftung in ihrer Jahresschau eebenfalls ein eigenes Russland-Kabinett.

Die Aquarelle und Zeichnungen aus dieser Zeit wirken wie unmittelbare Notizen, sind wie auf Papier gebannte flüchtige Momente.
Seinerzeit legt
e der „Sibirienzug“ alle 4 bis 6 Stunden einen 20minütigen Halt ein: „Mit meiner Feder zeichnete ich und zeichnete [...]. Ein kauerndes Menschenpaar saß übernächtig aneinandergelehnt. Ich zeichnete sie; ihm war zu warm, er schob die Ohrenklappen hoch, dann bewegten sie sich, ich zeichnete wieder.“

Dass diese Eindrücke nachhaltig auf Nolde wirkten, zeigen auch seine 1914 und 1917 entstanden Ölbilder („Drei Russen“ und „Revolution“), die im Gemäldesaal zu sehen sind.

Neben beliebten Bildern wie den bekannten Mohnblüten („Großer Mohn, rot, rot, rot“), den beinahe schon obligatorischen „Ungemalten Bildern“ aus der Zeit des Malverbots und den Aquarellen, die den alljährlichen Noldekalender schmücken, sind diesmal auch Werke ausgewählt, die bislang entweder noch nie in Seebüll oder sogar noch nirgendwo ausgestellt waren. Insgesamt 146 Exponate gibt es in dieser Saison zu sehen; eine Reduzierung im Vergleich zu den vorigen Jahren, die jedoch zugunsten einer großzügigen Hängung geht und so die Konzentration auf die diesjährigen Kernthemen erlaubt.

Ein zweiter Aspekt der Schau ist Noldes Großstadtleben in Berlin gewidmet, wo es ihn seit 1905 immer wieder hinzog. Vom platten Land hinein in eine Welt der Cafés, Varietés, Cabarets und des Theaters: Allabendlich streifte er durch das Nachtleben: „Ich zeichnete, das Licht der Säle, [...], die Menschen alle, ob schlecht oder recht, ob Halbwelt oder ganz verdorben.“
Expres
sive Gesellschaftsstudien entstanden während dieser Zeit, genau beobachtet und porträtiert, mit all den Eigenarten der Berliner Bohéme.

Zwei weitere Kabinette mit Aquarellen und Radierungen von 1920/1925 sind der Landschaft um Utenwarf gewidmet. Dort am Ruttebüller See (unweit von Seebüll) zog es ihn 1916 nach seiner Zeit in Alsen. Nach dem „milden“ und „lieblichen“ Klima von Alsen sehnte sich Nolde nach der „herben, starken Schönheit“ der Marschen. Hier entstanden jene dramatischen Landschaftsstudien mit dem tiefliegenden Horizont, den sich auftürmenden Wolken und den unglaublichen Farbenspielen, die Nolde so berühmt machten, aber ebenso sensible Schwarz-Weiß-Radierungen, die präzise den Charakter dieser Landschaft einfangen.

Zahlen, Fakten, Ausblick:
Die Bilanz des Ausstellungsjahres 2007 ist überaus erfolgreich: Rund 95.000 Besucher, das bedeutet 20.000 mehr als im Vorjahr. Positiv angenommen wurden die Malkurse, insbesondere auch die deutsch-dänischen Programme für Kinder sowie das neue Restaurant, das vom Theodor-Schäfer-Berufsbildungswerk geführt wird.
Für dieses Jahr ist ein Ausbau des Besucherservices geplant. Das Ziel ist, mit den Besucherzahlen die magische Grenze von 100.000 zu überschreiten. Neue Marketingpläne wie ein Shuttleservice vom Festland und den Inseln, der Verkauf von Samen und Pflänzchen aus dem Nolde-Garten, eine „Nolde-Mohn-Schokolade“ sowie verlängerte Öffnungszeiten in den Sommermonaten sollen die Attraktivität zusätzlich steigern

Nolde-Museum Seebüll. „Emil Nolde – Zwischen Berlin und Russland.“
Tel.: 04664/983930. Öffnungszeiten: bis 30. November 2007: tägl. 10-18 Uhr. www.nolde-stiftung.de.
Eintritt: 8,- € Erwachsene; 3,- € Kinder/Studenten; 30,- € Jahreskarte.
Restaurant Seebüll. Tägl. von 9-23 Uhr. Tel.: 04664/983970

Die Krokusblüte hat begonnen...

... wunderschön wie immer:


Wie jedes Jahr im Vorfrühling formieren sich geschätzte 5 Millionen lila Krokusblüten zu einem einzigartigen Blütenmeer im Husumer Schlosspark.
Ein Schauspiel der Natur, an dem man sich in jedem Jahr aus Neue erfreuen kann:


Heinrich Blunck - eine künstlerische Wiederentdeckung

Bis zum 13. April zeigt das NordseeMuseum in Husum die Werke eines Künstlers, der im Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit leider in Vergessenheit geraten ist. Heinrich Blunck (1891 – 1963) ist sein Name - und die Ausstellung zeigt einen repräsentativen Einblick in die „Wege eines Künstlers“, dessen Werk in eine Epoche fällt, in der die verschiedensten Kunstströmungen miteinander konkurrierten oder sich ergänzten. Er war übrigens schon mehrmals zu Gast im NordseeMuseum bzw. im Nissenhaus: 1949, 1951 und 1974. Denn während der Kriegszeit hatte Blunck im nordfriesischen Simonsberg Zuflucht vor den Nationalsozialisten gefunden (1941/42).

Heinrich Bluncks Kunst ist ein Bekenntnis zu seiner schleswig-holsteinischen Heimat, ihrer Landschaft, ihren Künstlern. In diesem Land zwischen den Meeren war er zuhause und hier war er auch künstlerisch tief verwurzelt. Seine Ausbildung absolvierte er unter anderem bei Fritz Stoltenberg, Georg Burmester und Hans Olde. Auch in der nordschleswigschen Künstlerkolonie Alsen fand er Anregungen und Vorbilder. Den größten Teil seines Lebens aber arbeitete er in seinem Atelier in Heikendorf, dort, wo sich heute die „Heinrich-Blunck-Stiftung“ befindet, die diese Ausstellung auf den Weg gebracht hat.

Bekannt wurde Blunck vor allem als ein „Meister der feurigen Farbe“. Seine Porträts holsteinischer Landschaften sind voller leuchtender Intensität; seine Arbeiten sind mit lebendigem Duktus geschaffene Beispiele einer Malerei, die die zeitgenössischen Strömungen adaptiert, aber nicht kopiert. Mal meint der Betrachter Anklänge an den Neoimpressionismus, den Jugendstil oder den Fauvismus wahrzunehmen, mal fühlt man sich erinnert an die expressive Bild- und Farbensprache eines Matisse, Munch oder den dynamischen Pinselstrich eines Van Gogh.

Aber auch den Einfluss einheimischer Künstler spürt man deutlich; was auch nicht verwunderlich ist: befand sich Blunck doch in unmittelbarer Nachbarschaft zu schleswig-holsteinischen Malergrößen wie Nolde oder Hans Peter Feddersen.

In all seinen ausschweifenden Gesten in Duktus und Farbe verliert Heinrich Blunck aber nie den Blick für das Gegenständliche. Er ist zwar kein Realist - sein Abstraktionsmittel ist vor allem die Farbe -, aber seine Motive bleiben immer erkenn- und identifizierbar.

In der aktuellen Ausstellung werden auch erstmalig solche Bilder – meist aus dem Frühwerk stammend – gezeigt, die der Künstler selbst vor dem Zugriff der nationalsozialistischer „Säuberung“ auf dem Dachboden seines Hauses versteckt hatte.

Das macht die Ausstellung zu einer gelungenen Retrospektive eines Künstlers, den es lohnt wieder zu entdecken.

Heinrich Blunck – Der Weg eines Künstlers

3. Februar – 13. April 2008: NordseeMuseum Husum – Nissenhaus
Herzog-Adolf-Straße 25, 25813 Husum,
Tel. 04841-2545
www.museumsverbund-nordfriesland.de
Öffnungszeiten: November – März täglich außer montags von 11-17 Uhr; April – Oktober täglich von 10-17 Uhr