Mittwoch, 23. April 2008

Igor Rutter: Von Russland nach Deutschland

Am 10. Mai startet die zweite Ausstellung im Russland-Jahr des Tönninger Hotels Miramar mit Igor Rutter, der u.a. an der Leningrader Kunsthochschule studiert hat und bereits seit den 1970er Jahren regelmäßig ausstellt.

Rutter wurde 1959 in Komsomolsk am Amur geboren und wuchs in ländlicher Umgebung auf; eine Erfahrung, die in thematisch bis heute inspiriert. Szenerien aus dem ländlichen Alltagsleben durchziehen sein Werk und zeigen seine tiefe Verwurzelung in dieser unverfälschten russischen Kultur.

Schon früh zeigte sich sein malerisches Talent; er besuchte eine Kinderkunstschule, später die berühmte Leningrader Kunstschule „Johanson“ und die „Ilja-Repin-Kunstakademie“. Schnell stellten sich erste Erfolge als Theater- und Bühnenmaler ein, was auch für seine spätere, rein malerische Karriere, prägend war: denn bis heute bevorzugt er das große Format.

2003/2004 initiierte Igor Rutter ein Kunstprojekt zugunsten einer Tschernobylhilfsorganisation, die eine Erholungsmaßnahme für Kinder zur Verfügung stellt. Das Motiv orientiert sich am Musical „Tabaluga“ und Peter Maffay selbst wurde sozusagen zum Paten dieses gemeinnützigen Kunstprojektes.

Heute lebt Igor Rutter in der Nähe von Wolfenbüttel und unterhält ein Zweitatelier auf Sylt mit eigener Galerie.

Auf seinen Reisen durch seine russische Heimat lernte er Menschen und ihre Charaktere kennen, sah sie in ihrer Not, in Elend, aber auch in glücklichen Momenten. Alle Facetten des Lebensalltags sind ihm gleich lieb, um sie zu porträtieren und festzuhalten.

Mit seinen Bildern erzählt er immer auch Geschichten; man spürt seine Liebe für das Volkstümliche seines Landes: hier wird zugleich das alte, wie auch das neue Russland präsent. Diese tiefe Verbundenheit ist allgegenwärtig in den Bildern: die oftmals dunklen Farbtöne, der sozialkritische Unterton mit parodistischen Einschlag, die Realitätsnähe, selbst dort, wo er abstrahiert. Man fühlt sich erinnert an die großen Erzähler seiner Heimat wie Tolstoi oder Dostojewski; was sie mit großen Worten schafften, setzt Rutter in eindrucksvolle Bilder um.

Eröffnungsempfang: 10. Mai, 11-13 Uhr. Der Künstler ist anwesend. Passend zu Werken von Igor Rutter können die Gäste das dreigängige „Lieblingsmenü des Künstlers“ im hoteleigenen Restaurant „Windrose“ genießen.

Es spielt das ukrainisch besetzte Trio „Mara“ aus Westerland (Sylt). Das Trio besteht aus Elena Hörmann, Anna Roman und Olga Ernst. Sie treten in volkstümlicher Tracht auf; Instrumente: Zymbal und Klavier.

Hotel Miramar, Westerstr. 21, 25832 Tönning, Tel.: 04861-9090. Öffnungszeiten: tägl. 8.00 Uhr bis 23.00 Uhr. Ausstellungsdauer: bis 1.7.08


Dienstag, 1. April 2008

Gertrud Caspari - Kinderwelten

Zum Auftakt des diesjährigen Ausstellungsjahres zeigt das Haus Peters in Tetenbüll bis Juli eine Sonderausstellung, die Erwachsene und Kinder gleichermaßen begeistern wird und so manchen Besucher zurück in seine eigene Kindheit entführt.

Über 50 Exponate lassen das Leben der wohl bekanntesten und erfolgreichsten Kinderbuchillustratorin wieder lebendig werden: Gertrud Caspari (1873-1948), deren Todestag sich in diesem Jahr am 7. Juni zum 60. Mal jährt.

Vielen dürften ihre Geschichten, Lieder und Gedichte bis heute in Erinnerung sein. Zusammen mit ihrem Bruder Walter Caspari, den Autoren Heinrich Meise und Adolf Holst publizierte sie über 50 Bilderbücher; dazu kamen zahlreiche Illustrationen von Schul-, Lieder- oder Märchenbüchern. Sie erreichte Auflagen in Millionenhöhe, wurde berühmt als Erfinderin des „Kleinkinderstils“ und von Generationen von Kinder geliebt.

Doch ihr wirkliches Leben verlief nicht so strahlend wie man vermuten könnte: der Vater verstarb früh und die Mutter musste Gertrud und ihre vier Geschwister alleine durchbringen; gesellschaftliche Zwänge versagten ihr – der künstlerisch Hochbegabten – ein Studium an der Kunstakademie. Mit 25 Jahren erkrankte sie schwer und war über Jahre bettlägerig. Seit Beginn ihrer Karriere arbeitete Gertrud Caspari unermüdlich, um den Lebensunterhalt für sich, ihre Mutter und ihre ebenfalls unverheiratete Schwester Margarethe aufbringen zu können. Im Zweiten Weltkrieg wurden ihre Skizzen, Manuskripte und Druckplatten komplett vernichtet. Die letzten Lebensjahre verbrachte sie in Lößnitz im Erzgebirge unter ärmlichsten Verhältnissen; Hunger und Kälte ließen sie auf 35kg abmagern.

Dennoch blieb sie in allen Phasen ihres Lebens den Kindern zugeneigt, auch wenn ihr eigene Kinder versagt blieben.

Die Anregung zur Entwicklung des typischen „Caspari-Stils“ fand sie in Spielzeugfiguren aus dem Erzgebirge; daraus entwickelte sie nach und nach eine besondere Art der Darstellung des kindlichen Lebens: flächige Farbgebung mit deutlichen Konturen, leuchtende Farben, der Verzicht auf perspektivische Verkürzung. Stilistisch angesiedelt zwischen Expressionismus, Neuer Sachlichkeit und Jugendstil. Immer werden die Kinder in ihrer natürlichen Umgebung porträtiert, sodass sie sich selbst in den Motiven wiedererkennen können.

Oft warf man ihr vor, unkritisch nur die „heile Welt“ zu zeigen; aber vielleicht war dies nur eine unbewusste Suche nach Geborgenheit in einer Zeit, die sich mit jedem Tag von den bisherigen, bürgerlichen Idealen entfernte.

Die Ausstellung zeigt – neben bekannten Kinderbüchern wie „Kinderhumor für Auge und Ohr“ (1907) oder „Kinderland, du Zauberland“ (1908) - auch Aquarelle und Skizzen der Künstlerin, Entwürfe zu Wandfriesen, Kalender und persönliche Dinge aus dem Nachlass.

Eine Reise in eine behütete Welt voll spielerischer Leichtigkeit.

Haus Peters, Dörpstraat 16, 25882 Tetenbüll, Info unter 04862 – 681.

Öffnungszeiten: Di. bis So. 14 bis 18 Uhr, Juni bis September 11 bis 18 Uhr.

Dauer der Ausstellung: bis 6.7.08