Freitag, 23. Mai 2008

Ludwig Dettmann


Ludwig Dettmann, der 1865 in Flensburg geboren wurde, galt in seiner Epoche als Wegbereiter des deutschen Impressionismus. Heute kann man ihn leider schon zu den vergessenen Malern zählen – zu Unrecht, wie die aktuelle Ausstellung am Museumsberg Flensburg beweist. Die umfangreiche Bilderschau, die Werke aus zahlreichen privaten Sammlungen und deutschen Museen zusammengetragen hat, würdigt einen Maler, der stets die Balance zu halten suchte zwischen Avantgarde und Anpassung.

Nach einer Zeichenlehrerausbildung in Hamburg und dem Studium an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin kamen rasch erste Erfolge als Landschaftsmaler, Dekorationsmaler und Illustrator. Das Leben in der Metropole und Reisen nach Holland, London und Paris machten ihn mit den neuen Tendenzen der Landschaftsmalerei und deren Vertretern vertraut und bekannt.

Zwischen 1890 und 1900 begann sein künstlerischer Aufstieg: Auftragsarbeiten und Ausstellungen, sein Bild „Abendmahl“ wurde sogar auf der Weltausstellung von Paris 1900 mit der Goldmedaille ausgezeichnet.

1898 gehörte Dettmann neben Max Liebermann und Walter Leistikow zu den Mitbegründern der Berliner Sezession. Von 1901-1916 hat er das Amt des Direktors der berühmten Königsberger Kunstakademie inne.

Neben diesen Polen – Großstadt Berlin mit Aufbruchstimmung und neuen Ideen und Königsberg als Pfeiler der Tradition – hat ihn vor allem die schleswig-holsteinische Landschaft angezogen; hier zwischen den Meeren, an Nord- und Ostsee, bei Aufenthalten mit Otto Heinrich Engel auf den Halligen und den Inseln entstanden seine schönsten Landschaftsbilder und Sujetdarstellungen der von den Naturgewalten geprägten Menschen an der Küste.

Gerade in seinen Landschaftsbildern zeigt sich Dettmann in fast allen seinen malerischen Phasen als echter Impressionist; wie er hier mit Licht- und Farbreflexen spielt, macht deutlich, dass er für den Impressionismus in Deutschland wirklich prägend war.

In den Jahren 1913 und 1914 entstehen monumentale Wandgemälde zu historischen Ereignissen wie dem 100. Jahrestag der napoleonischen Befreiungskriege oder dem Sturm auf die Düppelner Schanzen, in denen Dettmann einen geradezu nationalistischen, beinahe heroischen Stil pflegt.

Dettmann ist fast 50 als der Erste Weltkrieg ausbricht; er will „sich nützlich machen“, wie er schreibt und ist während der Jahre 1914-18 als Kriegszeichner tätig. Es entstehen beeindruckende Zeichnungen, Gouachen und Aquarelle, ungeschönt und realistisch, aber weder kriegsverherrlichend noch anklagend.

Bis zu seinem Tode 1944 lebt der Künstler vornehmlich in Berlin; er reist nach Sylt und Ostpreußen und findet hier zurück zu seinem Stil; 1928 dokumentiert er in Bilder die Fahrt des Luftschiffes „Graf Zeppelin“.

1933 tritt er in die NSDAP ein und wird Vorstand im Reichsverband bildender Künstler. Seine politische Fehleinschätzung führte auch in seinem Spätwerk zu einer Verherrlichung des nationalsozialistischen Regimes, was mit ein Grund dafür sein mag, warum er nach seinem Tode schnell in Vergessenheit geriet.

Ludwig-Dettmann – Zwischen Avantgarde und Anpassung. Bis 29. Juni 2008.

Museumsberg Flensburg. Hans-Christansen-Haus. 0461/852956. Di.-So.: 10-17 Uhr.

http:://.www.museumsberg.flensburg.de

Zur Ausstellung ist das gleichnamige Buch von Monika Potztal im Boyens Verlag erschienen.

Jugendstilträume

Giorgio Silzer, international bekannter Geiger und Konzertmeister (u.a. Deutsche Oper Berlin) hat neben der Musik noch eine weitere Leidenschaft: er sammelt kunsthandwerkliche Arbeiten des Jugendstils. Im Laufe seiner Sammeltätigkeit, die sich auf Keramik, Glas, Zinn und Silberbesteck konzentriert, hat er auf seinen Reisen eine umfangreiche Kollektion von Kostbarkeiten aus der Zeit der „Belle Èpoque“ zusammengetragen, die er bereits seit Ende der 1970er Jahre auch der Öffentlichkeit zugänglich macht.

Im Studio des Heinrich-Sauermann-Hauses des Musemsbergs Flensburg werden nun 200 Exponate unter dem Motto „Jugendstilträume“ gezeigt.

Mit Jugendstil bezeichnet man eine europaweite stilistische Erscheinungsform, die sich vor allem auf die Zeit von ca. 1890 bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges erstreckte. Seine Blütezeit hatte er sicherlich im fin de siècle des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Begriffe wie „Art Noveau“, „Stile florale“ oder „Sezessionsstil“ stehen für die nationalen Varianten einer Kunstrichtung, die die Rückbesinnung auf Elemente der Natur forderte und das Zusammenspiel aller künstlerischen und kunsthandwerklichen Techniken hin zum Gesamtkunstwerk anstrebte. Manche Spielarten des Jugendstils setzen auf Schlichtheit, auf Funktionalität und Form, andere liebten das Verspielte und Ornamentale. Auf dem Weg zur Moderne, abschiednehmend vom Historismus, darf der Jugendstil als Vorreiter für Bauhaus und Neue Sachlichkeit gelten.

Die Sammlung Silzers repräsentiert diese stilistische Vielfalt in besonderer Weise, zumal hier auch die renommiertesten Werkstätten ganz Europas vertreten sind: Silberbestecke, entworfen von Peter Carl Fabergé, Henry van de Velde oder Heinrich Vogeler; Keramiken von Clément Massier mit seinen einzigartigen Lüsterglasuren oder die japanisch inspirierten Vasen von Théodore Deck. Als „Gläserne Epoche“ fand im Jugendstil auch eine Neuentdeckung des Materials Glas statt, das sich durch seine filigrane Ästhetik auszeichnet; als bedeutendster Vertreter gilt Emile Gallé, dessen florale Kreationen auch von japanischer Kunst und Botanik geprägt sind.

Eine weitere Kategorie der Silzer-Sammlung sind Objekte aus Zinn; sein Schwerpunkt liegt hier bei den Arbeiten aus der deutschen Firma J.P.Kayser in Krefeld und Köln, deren Produkte als „Kayser-Zinn“ international bekannt wurden. Zinn galt allgemein als reines Gebrauchsmaterial und wurde erst im Jugendstil zum künstlerischen Material aufgewertet.

Mit dieser Sammlung ist es Giorgio Silzer gelungen, so etwas wie ein Gesamtkunstwerk zu schaffen – so wie es der Jugendstil für sich eingefordert hat. Dabei bekennt der Sammler: „Die Stücke haben mich gefunden, nicht ich die Stücke“.

Jugendstilträume – Die Sammlung Giorgio Silzer.

Bis 13. Juli 2008.

Museumsberg Flensburg. Heinrich-Sauermann-Haus.

0461/852956. Di.-So.: 10-17 Uhr.

http:://.www.museumsberg.flensburg.de

Zur Ausstellung ist ein gleichnamiger Katalog erhältlich.