Donnerstag, 19. Juni 2008

Buchkunst – Яussisch gestimmt


Die dritte Ausstellung des russischen Ausstellungsjahres im Tönninger Hotel Miramar, die zugleich mit dem Kultursommer und dem Schleswig-Holstein Musikfestival zusammenfällt, stellt Illustrationen zu russischen Autoren in den Mittelpunkt.

Gisela Mott-Dreizler (* 1941) ist freie Malerin und Grafikerin, aber auch Illustratorin; sie beherrscht ein breites Spektrum an Techniken und hat sich seit 1970 überregional einen Ruf als erstrangige Künstlerin mit dem feinen Sinn für das Zusammenspiel von Text und bildnerischer Umsetzung gesichert.

Die Verbindung von Literatur und Kunst zu einem Gewebe, das gleichermaßen Intellekt und Auge anspricht, ist eines ihrer Hauptanliegen. Große Dichter und ihre Werke sind in ihren Bildern quasi „zuhause“. Das Erzählerische ist dabei das Hauptmerkmal ihrer „sprechenden Bilder“. Viele ihrer Holzschnitte und Radierungen bereichern die Texte der kunstvoll gefertigten Bücher des Verlages der Quetsche in Witzwort (Nordfriesland), den sie gemeinsam mit ihrem Partner Reinhard Scheuble betreibt.

Aus dem unfangreichen Programm wurden für diese Ausstellung folgende Werke ausgewählt:

Von Alexander Puschkin: „Die Mär vom Pfaffen und Töffel, seinem Arbeitsmann“ von 1833. Sie verwendet dabei den Holzschnitt als Technik. Das Märchen ist in einfachem Versmaß in Reimen verfasst. Puschkin greift hier ein Motiv auf, das man auch aus deutschen Volksmärchen kennt: der Teufel wird mit einer List ausgetrickst. Verbunden wird dieses altbekannte Erzählmuster mit den volkstümlichen, russischen Traditionen der antiklerikalen Kritik.

Nikolai Gogol: die Geschichte „Schreckliche Rache“ von 1831; als Technik wurde der Linolschnitt gewählt. Die Erzählung spielt zur Zeit des Aufstandes der ukrainischen Kosaken gegen Polen um 1648. Der Schrecken geht um bei den Kosaken: der „Zauberer" ist zurückgekehrt. Seine wahre Identität ist unbekannt; er möchte seine Tochter Katerina zum Inzest zwingen und will ihren Ehemann, den kriegerischen Kosaken Pan Danilo, töten.

Von Ivan Turgenev: die Erzählung „Phantome“ von 1863; hier arbeitet die Künstlerin mit Lithographien. Der Text aus der Spätphase des Autors ist auch unter dem Titel „Gespenster“ bekannt; es handelt sich um eine phantastische Geschichte an der Grenze zum Unheimlichen: Ein Phantom reist mit einem russischen Adligen durch Europa.

Für die Künstlerin ist es immer wieder ein beinahe mystischer Vorgang, wenn Text und Bild zusammenfinden. Denn Mott-Dreizler ist keine Illustratorin im modernen Verständnis, sie setzt den Text nicht 1:1 um, vielmehr nähert sie sich dem Text im eigentlichen Wortsinn des Begriffs „Illustrieren“ (lat. illustare): sie erhellt den Sinn des Textes, sie bringt ans Licht, was beim flüchtigen Lesen übersehen wird und was hinter dem Offensichtlichen steht, sie erklärt und interpretiert. Die Texte werden lebendig – auch deshalb, weil sich die Künstlerin von den Worten führen lässt, um die jeweils geeignete Technik auszuwählen.

Eröffnung: 13. Juli, Uhr; begleitet wird der Eröffnungsempfang mit einer Lesung aus den illustrierten Werken. Es liest: Günther Lefeber, Tönning.

Hotel Miramar, Westerstr. 21, 25832 Tönning, Tel.: 04861-9090. Öffnungszeiten: tägl. 8.00 Uhr bis 23.00 Uhr. Dauer der Ausstellung: 13. Juli – 31. August

Samstag, 14. Juni 2008

Herzoginnengarten und Dachgalerie


Seit Anfang Juni bereichern zwei Neuerungen den kulturhistorischen Wert des „Schloss vor Husum“ die Region. Nach längerer Umbauphase wurde nicht nur die 380qm große Dachboden-Galerie freigegeben, sondern auch der neugestaltete und quasi wiedererweckte Renaissancegarten, der direkt hinter dem Gebäude innerhalb der „Schlossinsel“ liegt. Für die Um- und Neugestaltung wurden insgesamt 628.000 Euro aufgewendet, die zu einem Großteil aus Landesfördermitteln bestritten werden konnten.

Der Besucher erreicht die neue Dachgalerie, die zukünftig Ausstellungen moderner Kunst vorbehalten bleibt, über den Treppenturm, der originalgetreu erhalten wurde. Das renommierte Architekturbüro Sunder-Plassmann aus Kappeln hat die Atmosphäre des Dachbodens bewusst erhalten; an Gebälk, Dielen und Wänden wurden nur minimalistische Eingriffe vorgenommen; Stellwände in den Nischen dienen als Ausstellungsfläche. Über das lichte Treppenhaus kommt man in das Dämmerlicht der Galerie, in der aktuell eine Ausstellung von Grafiken des bekannten norddeutschen Künstlers Horst Janssen (1929-1995) zu sehen ist. Die repräsentative Auswahl von Radierungen, Handzeichnungen und Lithographien wurde aus Privatbesitz zusammengetragen und ist in dieser Zusammenstellung erstmalig zu sehen. Ergänzt wird die Bilderschau auf ein bewegtes Künstlerleben mit Arbeiten von Janssens Zeitgenossen und Künstlerfreunden wie zum Beispiel Ulrich Mack, Alfred Mahlau, Ekkehard Thieme oder Paul Wunderlich.

Der Wettbewerb zur Neugestaltung des Herzoginnengartens, im 17.Jhd. auch „giordano segreto“ genannt, wurde bereits im Jahr 2002 ausgeschrieben. Mit einem Entwurf, der die traditionellen Elemente der Gartenbaukunst der Renaissance mit zeitgenössischer Gestaltung verbindet, bekam das Flensburger Gartenarchitekturbüro Kessler und Krämer den Zuschlag.

Das Husumer Schloss, dessen Park heute vor allem durch seine Millionen von Krokusblüten bekannt ist, war zu Zeiten der Herzoginnen Augusta (1580-1629) und Maria Elisabeth (1610-1684) im Besitz eines Lustgarten mit Orangerie, in dem auch Edelobst und Wein kultiviert wurde. Als das Herzogtum Schleswig-Holstein-Gottorf 1721 an Dänemark fiel, verlor die Husumer „Außenresidenz“ der Gottorfer Herzöge an Bedeutung, der Garten verwilderte. 1878 wurde er von der Stadt Husum aufgekauft; das gesamte Areal wurde nach englischem Vorbild in einen Landschaftspark umgewandelt. Der „kleine Garten“ auf der eigentlichen Schlossinsel lag weiterhin brach und blüht erst in diesem Jahr im engsten Wortsinne wieder auf.

Die klassischen Achsenbezüge wurden auch bei der Neugestaltung wieder aufgegriffen; die rasterartig angelegten Blumenbeete sind an zwei Seiten ganz typisch mit niedrigen Buchsbaumhecken eingefasst. Plattenwege mit Zitaten historischer Persönlichkeiten vermitteln die Geschichte des Ortes. Ein Wassergraben und zwei Freiplätze für Veranstaltungen setzen moderne Akzente.

Die rund 4000 Pflanzen wurden erst kürzlich eingesetzt, so dass man die spätere Blütenpracht im Moment leider nur erahnen kann. Die Pflege der Anlage unterliegt dem Theodor-Schäfer-Berufsbildungswerk, so dass hier gleichsam ein Ausbildungsplatz für junge Menschen mit Handicaps geschaffen wurde.

Unter dem Titel „Gartendenkmalpflege in Schleswig-Holstein“ findet begleitend eine Ausstellung statt, die die schönsten und bedeutendsten historischen Gärten im Land vorstellt. Erläutert wird die geschichtliche Entwicklung der Landschaftsgartenkunst und deren Bedeutung für das kulturelle Selbstverständnis von Scheswig-Holstein.

Schloss vor Husum. König-Friedrich V. Allee. 25813 Husum

Tel.: 04841-8973130 u. 2545 Tägl. außer Mo.: 11-17 Uhr.

Ausstellungen:

Gartendenkmalpflege in Schleswig-Holstein. Bis 31.10.08

Dachgalerie: Horst Janssen und seine Künstlerfreunde. Bis 31.8.08

Parallel dazu findet eine Vortragsreihe statt zum Thema „Gartenhistorie in Schleswig-Holstein“:

http://www.museumsverbund-nordfriesland.de/schloss-vor-husum/67-0-Veranstaltungen.html