Samstag, 30. August 2008

Pole-Poppenspäler-Tage 2008

Die Pole-Poppenspäler-Tage in Husum feiern in diesem Jahr ihr 25jähriges Jubiläum. Über 70 Aufführungen, internationale Größen des europäischen Puppentheaters, eine Vortragsreihe und etliche Sonderveranstaltungen lassen die graue Stadt am Meer wieder einmal zu einem ganz besonderen Festivalort werden.

Als 1983 die Veranstalter die „Poppenspäler-Tage“ ins Leben riefen, war dies noch eine beinahe intime Veranstaltung. Inzwischen genießt das Festival internationalen Ruf und wurde mit einigen Preisen, darunter die Verleihung der Schleswig-Holstein-Medaille ausgezeichnet. Vom ursprünglichen Initiatoren-Team sind Gisela Terheggen, die heute im Vorstand des Förderkreises ist, und Gisela Sobeczko, die Ehren-Mitglied ist, immer noch als aktive Organisatoren dabei. Ohne sie und das ehrenamtliche Engagement vieler Helfer- und Helferinnen, der Unterstützung zahlreicher regionaler und landesweiter Sponsoren wäre Nordfriesland um eine Attraktion ärmer.

Der Beginn der diesjährigen Pole-Poppenspäler-Tage fällt mit der alljährlichen Stormtagung zusammen; daher ist ein Schwerpunkt auch die Interpretation von Stormschen Novellen (z.B. Genoveva – Ambrella Figurentheater sowie „Stein und Rose“ vom Puppentheater Rosi Lampe).

Das gesamte Programm in diesem Jahr bietet eine außergewöhnliche Vielfalt an Themen, die zugleich eine Rückschau auf die letzten 25 Jahre erlauben: es wurden die beliebtesten Bühnen eingeladen mit unvergesslichen, zeitlosen Inszenierungen. Mit dabei ist zum Beispiel das Hohenloher Figurentheater von Johanna und Harald Sperlich, die seit 15 Jahren regelmäßig kommen, oder Marc Schnittger mit seinem Figurentheater aus Kiel, der einer der ersten Festivalgäste war und seit 1995 selbst mit seinen Stücken in Husum auftritt. Und das Figurentheater Raphael Mürle zeigt „Glanzlichter aus 20 Jahren“ Marionettentheater.

Gerade für Kinder bietet das diesjährige Programm eine große Auswahl: Michael Ende mit seinen Büchern „Momo“ und „Das Traumfresserchen“, viele klassische Märchenadaptionen sowie ein ganz besonderes Highlight, die „Weihnachtsinsel“ im Dorfgasthof Schwesing. Hier wird zum Beispiel das beliebte Stück „Der Weihnachtshase“ des Fabula Figurentheaters gezeigt, das eben bisher nur zur Weihnachtszeit in Husum gastierte und daher nun für viele Festivalfreunde eine einmalige Gelegenheit ist, dieses Stück auch außerhalb der Saison zu genießen.

Sonderveranstaltungen, die sozusagen das Leben hinter den Bühnen, die Geschichte des Marionettentheaters und deren Akteure beleuchtet, runden das Programm ab und bieten auch dem interessierten Laien spannendes Hintergrundwissen.

Den Abschluss bietet am 29. September eine Benefiz-Gala, die Nacht der Puppen, ein über vierstündiges Spektakel mit 23 PuppenspielerInnen, einem Jubiläumsempfang und einem musikalischen Feuerwerk.

„Pole Poppenspäler Tage“ 25. Internationales Figurentheater Festival. 18. – 29. September 2007.

Programm und Karten: 04841-63242.

www.pole-poppenspaeler.de

Poppenspäler Museum: Erichsenweg 23, am Schlosspark, 25813 Husum; tägl. (außer Sa.) 14-17 Uhr.

Mittwoch, 20. August 2008

Unterm Reetdach

Reet, Ret, Reth, Ried oder Reit - das gemeine Teich- oder Schilfrohr, ein Süßwassergras, das an stehenden Gewässern, Seen, Teichen oder Gräben vorkommt. Es sieht unscheinbar aus und doch hat es eine mehr als 6000 Jahre alte Geschichte als schützendes Material für Dachabdeckungen hinter sich. Reetdächer prägen unsere norddeutsche Landschaft: man findet sie typischerweise in Schleswig-Holstein, Niedersachen, Mecklenburg-Vorpommern, vereinzelt auch in Brandenburg und sogar im Schwarzwald.

Das Haus Peters in Tetenbüll hat sich dieses Traditionsmaterial als Thema für eine kulturhistorische Ausstellung ausgewählt; gezeigt werden Fotografien, Werkzeuge und Modelle, die veranschaulichen, wie ein solches Dach gedeckt wird, wo seine Ursprüngen liegen und wie es damals und heute genutzt wird.

Wähend in vergangenen Zeiten das Reet schlicht aus praktischen Erwägungen ein Material zum Hausbau war, so ist es heutzutage schon fast ein Luxus, sich ein Reetdach zu leisten. Die natürlichen Anbauflächen in Schleswig-Holstein reichen lediglich aus, um den einheimischen Bedarf zu 10% zu decken. 90% des verwendeten Reets kommt heute aus Österreich, Ungarn und den baltischen Ländern.

Die aufwendige Art der Ernte und die besondere Handwerkstechnik, die solch ein Reetdach verlangt, wird heutzutage nicht von allen Dachdeckerbetrieben beherrscht. Das macht ein solches Dach nicht unbedingt günstig: so können sich die Kosten für ein durchschnittliches Einfamilienhaus schon mal bis auf 25.000 Euro summieren. Dazu kommen Blitzschutzanlagen und wegen der Feuergefahr erhöhte Versicherungsprämien.

Reetgedeckte Häuser baut man sich heutzutage meist aus ästhetischen Gründen, tatsächlich aber waren es einst vor allem praktische Überlegungen, die zur Verwendung des Schilfgrases führten: das Material wuchs fast überall und fiel so fast umsonst an und altes Dachmaterial ließ sich problemlos kompostieren und als Dünger verwenden.

Auch wenn jeder Halm an sich sehr dünn ist (nur 3-9mm), so bietet die Masse ausgezeichnete Wärmedämmung und hervorragenden Schutz vor eindringendem Wasser.

Um so erfreulicher ist, dass es inzwischen zahlreiche Föderprogramme gibt, die dabei helfen, dieses traditionsreiche Kulturgut der norddeutschen Landschaften zu erhalten.

Im Begleitbuch zur Ausstellung, erläutert die Autorin Brigitta Seidel neben den technischen Vorgehensweisen auch so manches Detail über volkstümlichen Aberglauben, der sich beispielsweise um die Gestaltung der Giebel rankt. Mit diesem Wissen geht man ein bisschen achtsamer spazieren und lenkt seinen Blick auf Eulenlöcher, Pferdeköpfe und Gieblspiesse.


„Unterm Reetdach“
Haus Peters, Dörpstraat 16, 25882 Tetenbüll, Info unter 04862 – 681.

Öffnungszeiten: Di. bis So. 11 bis 18 Uhr.

Dauer der Ausstellung: bis 28.9.08

Brigitta Seidel: Unterm Reetdach. Mit Fotografien von Günter Pump.

ISBN 978-3-89876-327-1; 8,95 Euro.

Das weiße Gold

Bereits im 7. Jahrhundert war in China die Kunst der Porzellan-Herstellung bekannt. Marco Polo war der erste, der um 1300 das kostbare Porzellan aus Asien nach Europa brachte. Seitdem versuchten die Europäer vergeblich, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen.

Erst auf einem Umweg gelang es Johann Friedrich Böttger und Ehrenfried Walther von Tschirnhaus 1708 ein entsprechendes Verfahren zu entwickeln. Denn eigentlich sollte Böttger im Auftrag des maroden Kurfürsten von Sachsen, August dem Starken, Gold auf alchemistischem Wege herzustellen - unter Androhung der Todesstrafe. Was sie aber fanden, war das „weiße Gold“, mit dem eine Erfolgsgeschichte begann, die bis heute andauert und das eigentlich erhoffte echte Gold aufwog.

Der Museumsberg Flensburg zeigt derzeit eine Ausstellung mit 250 Exponaten aus der eigenen Sammlung: Porzellan aus den Manufakturen Meißen, Berlin und Kopenhagen aus dem 18. und 19. Jahrhundert.

Gezeigt werden sowohl ausgewählte Einzelstücke mit ausgefallenem Dekor, alltagstaugliche Porzellankreationen wie Türknäufe, Gehstock-Handstücke oder die beliebten Meißner Zierfiguren, aber auch Beispiele aus Tafel-, Kaffee- und Teeservice aus der Massenproduktion.

1710 entstand in Meißen auf der Albrechtsburg die erste Porzellanmanufaktur, die schnell Weltruhm erlangte und bis heute genießt. Seit 1722 trägt jedes Stück, das die Manufaktur verlässt, das unverwechselbare Markenzeichen für Meißner Porzellan, die "Gekreuzten Schwerter".

Der beliebte plastische Stil Meißens mit seinen erzählenden Figuren(gruppen) beginnt zwischen 1727 und 1737 mit den Tiermodellen von Johann Gottlieb Kirchner, fortgesetzt vom Bildhauer und Modelleur Johann Joachim Kaendler, der mit seinen Kleinfigurenszenen sowohl in technischer als auch ästhetischer Hinsicht die Kultur der Porzellanplastik salonfähig machte.

Jahrzehntelang konnte Meißen sein Geheimnis bewahren, exportierte das Porzellan europaweit und macht es schließlich weltweit zu einem unersetzlichen Kulturgut.

Erst Mitte des 18. Jahrhundert entstanden weitere Manufakturen in anderen deutschen und europäischen Städten, so zum Beispiel in Höchst, Nymphenburg, Wien, Ludwigsburg, Sèvres sowie in Berlin (1751 gegründet) und Kopenhagen (1760 gegründet), aus denen in dieser Ausstellung ebenfalls Exponate - wie die aus der Königlichen Porzellan Manufaktur Berlin (KPM) - zu sehen sind.

Das Weiße Gold. Porzellan aus Meissen, Berlin und Kopenhagen.

Bis 9.10.2008. 3. August – 9. Oktober 2008

Museumsberg Flensburg (Heinrich-Sauermann-Haus, Studio)

Museumsberg 1, 24937 Flensburg; Telefon 0461/852956;

Öffnungszeiten: April – Oktober: Dienstag – Sonntag 10 – 17 Uhr

www.museumsberg.flensburg.de; museumsberg@flensburg.de