Dienstag, 15. Dezember 2009

Der Weihnachtsschreibtisch




Pünktlich zur (Vor-)Weihnachtzeit hat ein neues Ausstellungsstück die Räumlichkeiten des NordseeMuseums bezogen. Bei dem ungewöhnlichen Exponat handelt es sich um einen Aufsatz-Schreibtisch aus Eiche, datiert auf die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Das ist an sich weder etwas Besonderes noch etwas, das spontan mit Weihnachten assoziiert wird. Dennoch erhielt die Neuanschaffung, die bei einer Hamburger Auktion am 16.9. dieses Jahres ersteigert wurde, den klangvollen Namen „Weihnachtsschreibtisch“.

Der ungewöhnliche Hintergrund: Allem Anschein nach stammt das Möbelstück aus dem Vermächtnis der Familie Woldsen, genauer gesagt dem von August Friedrich Woldsen, der sich als Sozial-Förderer und Mitbegründer des Asmussen-Woldsenschen Vermächtnisses für die Stadt Husum verdient gemacht hat. Als Anerkennung für seine Leistungen erhielt er als Geschenk einige Relieftafeln, die höchstwahrscheinlich aus der alten Marienkirche stammen, die 1807 abgerissen wurde und deren Inventar, vornehmlich die wertvolle Barock-Ausstattung, verschleudert wurde. Genau diese Halbreliefs, die z.B. vom Altar, der Kanzel oder vom Chorgestühl stammen könnten, wurden in jenen Schreibtisch eingearbeitet – ein nicht unübliches Vorgehen im 19. Jahrhundert, dass man ältere Kunstobjekte mit „moderner“ Kunst verschmolz. Die ehemaligen sakralen Tafeln bilden heute die Türen des Schreibtisches.



Im Mittelpunkt der dargestellten Szenen steht die Weihnachtsgeschichte. Im Zentrum sieht man zunächst den Sündenfall mit Adam und Eva und der Schlange; darüber ein Jünger Christi (oder möglicherweise auch ein Prophet). Beides sind Werke des 16. Jahrhunderts. Vier weitere Bildtafeln schließen sich dieser Episode an:

Links oben die Verkündigung Mariä – ein Engel verheißt ihr die Geburt des Heilands.

Rechts oben ist die klassische Geburtszene Christi aus den Evangelien zu sehen, die wir an Weihnachten feiern.

Im linken unteren Türfeld scheint die Anbetung der Hirten dargestellt zu sein.

Und rechts unten bringen die Heiligen Drei Könige dem Kind ihre Gaben.

Der Urheber der Tafeln ist noch unbekannt; bei einer kritischen stilistischen Betrachtung fällt auf, dass aufgrund der unterschiedlichen künstlerischen Qualität von mehreren Bildschnitzern ausgegangen werden muss. Ob es sich dabei um Lehrer und Schüler handelt oder um die Arbeit von zwei Generationen, muss noch geklärt werden. Noch behält der Schreibtisch seine Geheimnisse für sich.

Erworben wurde dieses ungewöhnliche Stück, das nun über Umwege wieder zurück in seine Heimat gefunden hat, von der Nissenstiftung mit ihrem Vorsitzenden Dr. Ulf v. Hielmcrone und der Kulturstiftung des Landes Schleswig-Holstein mit ihrer Geschäftsführerin Brigitte Hohmann.


Der Weihnachtsschreibtisch, eingebettet in Ausstellungsobjekte rund um die Husumer Marienkirche, ist noch bis zum 7. März 2010 zu sehen.

NordseeMuseum Husum – Nissenhaus

Herzog-Adolf-Straße 25, 25813 Husum

Tel. 04841-2545

Öffnungszeiten

November bis März – täglich außer montags von 11-17 Uhr

Horst Janssen zum Geburtstag




Seit 1997 befindet sich in der Giebelstube des Haus Peters in Tetenbüll bekanntlich das „Horst Janssen Zimmer“. Es beherbergt die sog. „Eiderlandmappe“ (1980), Radierungen aus der Witzworter Zeit des Künstlers sowie einen repräsentativen Querschnitt seiner Plakatarbeiten.

Am 14. November wäre der begnadete Grafiker, Radierer, Illustrator und Erzähler Horst Janssen 80 Jahre alt geworden (1929-1995) – Anlass genug, dem Hamburger Künstler, der zur Elite der deutschen Grafiker zählt, eine eigene Ausstellung zu widmen und diese mit einem attraktiven Programm zu umgeben.

Rund 40 Exponate lassen die Erinnerung an diesen einzigartigen, aber durchaus auch exzentrischen und äußerst eigenwilligen Künstler wieder auferstehen. Horst Janssen lebte intensiv – und ausschweifend, das lässt sein Duktus immer wieder klar erkennen.

Gezeigt werden Werke aus allen Schaffensphasen: Porträts und kritische Selbstporträts, Ausschnitte aus der Radierzyklus „Hanno´s Tod“ (Buddenbrooks), Tiere und Natur sowie Hommagen.

Wie Tetenbüll lag auch Janssens Anwesen auf Eiderstedt: in der Nähe von Witzwort erwarb er Anfang der 1970er Jahre mit seiner damaligen Lebensgefährtin Gesche Tietjens den „Flöhdorfer Haubarg“, auch „Janssenhof“ genannt, der in dieser Ausstellung ebenfalls als Radierung zu sehen ist. In seinen Aufzeichnungen beschrieb der Künstler dieses Ereignis mit saloppen Worten: „Da lag ich eines Tages missmutig im Bett und las Zeitung, und mein Auge hakte sich an einer Annonce – genauer an einem Wort fest: „Haubarg“. Das schien mir irgendetwas Nordisches und Ländliches zu sein […]

ich sagte [ihr], sie möge doch den Volvi parat machen – der Haubarg stände zum Verkauf, und sowas müsse man sofort erledigen. Als wir bei Dämmerung an die Tür dieses Hauses klopften, kam erst ’ne Weile nix und dann stand jäh ein hutzeliges Bäuerlein vor uns, und wie sahen in die Mündung einer Schrotflinte…“


Nun – zu einem Vertragsabschluss kam es dann doch.

Und nachdem Gesche Tietjens mit Mutter und Großmutter dorthin zog und 12 Jahre lebte, brach – zeitgleich mit der Geburt des gemeinsamen Sohnes Adam – auch für Horst Janssen eine produktive Eiderstedter Schaffensphase an. Er lebte dort zwar nicht durchgehend – die Beziehung hielt auch nur vier Jahre -, war aber doch oft genug zu Besuch, so dass hiesige Charakteristika von Land und Leuten in sein Werk mit einflossen. Auf Reisen mit seiner Lebensgefährtin, die selbst auch Künstlerin war, entdeckte er in dieser Zeit auch die Liebe zur Landschaft, wie man an einigen der hier ausgestellten Grafiken deutlich ablesen kann.

Begleitprogramm:

Janssens Lieblingsmenü am 9.1. 2010 um 18.30 Uhr

Lesung am 27.12. 2009:

Janssen als Schriftsteller mit Angelika Gerlach, um 15 Uhr mit Kaffee und Kuchen

Haus Peters

25882 Tetenbüll

Dörpstraat 16 • (Dorfmitte)

www.hauspeters.info

Info unter 04862 – 681

Öffnungszeiten:

Dienstag bis Sonntag: 14 bis 18 Uhr

Feiertage geöffnet außer Heiligabend und Silvester

Ab 16.1.2010 nur Sa/So 14 bis 18 Uhr

Eintritt frei

Dauer der Janssen-Ausstellung: 14.11.2009 – 10.1.2010

Sonntag, 1. November 2009

Rungholt taucht auf!


Eine Ausstellung mit Bildern von Hadi Knütel, Kalligraphien von Karina Reck und einer Bilddokumentation über den Rungholt-Forscher Andreas Busch


Rungholt – was ist das eigentlich? Ein Mythos oder Realität? Es ist beides. Rungholt bewegt sich zwischen mythischer Verklärung, historischer Forschung und der Interpretation durch Künstler und Dichter.

Und genau dieser Spur folgt die aktuelle Ausstellung im Hotel Miramar: „Rungholt taucht auf!“.

Die Ausstellung setzt sich aus drei Schwerpunkten zusammen. Da ist zunächst einmal das historische Rungholt, eine friesische Siedlung, Hauptort der Verwaltungsgemeinde Edomsharde, gelegen ungefähr zwischen dem heutigen Pellworm und der Halbinsel Nordstrand. Die mittelalterliche Siedlung, die für damalige Verhältnisse durchaus wohlhabend war, ging mit der ersten großen Mandränke von 1362 unter. Seitdem ranken sich Sagen und Legenden um diesen Ort, der angeblich durch ein göttliches Strafgericht vernichtet wurde, weil seine Bewohner Gott lästerten. Rungholt wurde dadurch sozusagen zu einem Atlantis des Nordens.

Diese Sagen, die später auch von Dichtern wie Detlev von Liliencron aufgegriffen wurden, hat die Kalligraphin Karina Reck (* 1958) aus Witzwort gekonnt ins Schriftbild gesetzt. Durch die gelungene Komposition von Text, Schrift, Farbe, Schreibwerkzeug und Schreibgrund nähert sie sich dem Inhalt auf reizvolle Weise an und verschafft dem Leser einen neuen Zugang zu altbekannten Texten. Für die Rungholt-Texte hat sie auf Schriften wie die Humanistische Kursive, die Karolingische Minuskel oder die Irisch-angelsächsische Halbunziale zurückgegriffen, die die Texte auch optisch in ihren historischen Kontext setzen.


Ein weiterer Ausstellungsaspekt sind die Funde und Beobachtungen des Nordstrander Rungholt-Entdeckers Andreas Busch. Am 16. Juni 1921 fand er erste Spuren der Rungholt-Siedlung. Er selbst hat seine Forschungsarbeit in zahlreichen Fotografien dokumentiert, die heute als Nachlass im Husumer NordseeMuseum liegen. Für die Ausstellung wurden Reproduktionen der Originalfotos zu informativen Schautafeln zusammengestellt – eine kleine Hommage an einen anerkannten und geehrten Heimatforscher, dessen Nachfahren heute z.T. in der Nähe von Tönning leben.




Hadi Knütel (*1964), freier Künstler aus Dithmarschen, hat sich Rungholt auf ganz individuelle Weise angenähert. In dieser Mischung aus Realität und Sagenhaftigkeit von Rungholt fand er als Mensch der Küste schier unerschöpfliche künstlerische Anregungen. Als surreal arbeitender Maler reizte ihn auch „das fantastische Drumherum“, wie er selbst sagt: „Das Spiel mit Oben (auf der Wasseroberfläche) und Unten (auf dem Meeresgrund); die Fragen: Was für Ängste, Gedanken oder Vorkehrungen gab es unter der Bevölkerung? Wie empfinden die versunkenen Rungholter ihr „postrungholter“ Dasein“? Aus diesen durchaus konkreten Themen ergaben sich nach und nach Bilder, die den Betrachter faszinieren, aber bisweilen auch verstören, weil sie sich in einem Schwebezustand zwischen Wirklichkeit und Fiktion befinden. Knütels Bilder, manchmal zart und verspielt, manchmal eindringlich und mit beinahe mahnendem Charakter, lassen viel Platz für Interpretationen. Und wenn man sich auf sie einlässt, so sieht man Rungholt tatsächlich wieder auftauchen.


Eine Ausstellung also, die sowohl Historikern als auch Kunstfreunden Anreiz für neue Rungholt-Ansätze liefern dürfte.

Dauer der Ausstellung: 14.11. bis 11.1.2010. Öffnungszeiten: tägl. 8.00 Uhr bis 23.00 Uhr.

Eröffnung: 14.11.2009, 17 Uhr.

Es sprechen: Drees Busch (über den Rungholt-Forscher Andreas Busch) und Dr. Katrin Schäfer (über die künstlerische Bearbeitung des Rungholt-Themas)

Hotel Miramar, Westerstr. 21, 25832 Tönning, Tel.: 04861-9090. http://www.miramar-net.de

Samstag, 10. Oktober 2009

Weltnaturerbe Wattenmeer

Im Juni 2009 erklärte die UNESCO den Naturraum Wattenmeer offiziell zum Weltnaturerbe. Weltweit erhielten diesen „Nobelpreis der Natur“ nur 176 einzigartige Naturlandschaften wie beispielsweise der Gran Canyon oder die Galapagos-Inseln. 10.000 Quadratkilometer umfasst das Schutzgebiet und erstreckt sich über 400km Küste; und nun liegt es an den angrenzenden Ländern Schleswig-Holstein, Niedersachsen und den Niederlanden dieses Erbe auch für die nachfolgenden Generationen zu bewahren.

Ein einzigartiger, faszinierende Bildband des Fotografen Martin Stock, ergänzt durch einfühlsame, zum Teil nachdenkliche, zum Teil wissenschaftliche Texte von Ute Wilhelmsen, stellt nun das „Weltnaturerbe Wattenmeer“ einer breiteren Öffentlichkeit vor.

Die umfangreiche Publikation mit über 170 Abbildungen, von denen viel sogar doppelseitig zu sehen sind und in unvergleichlichen Perspektiven eine spröde, oft raue Welt porträtiert, deren Schönheit und Poesie sich oftmals erst auf den zweiten Blick erschließt, ist alles andere als eine nüchterne wissenschaftliche Berichterstattung. Zwar werden alle wichtigen Fakten erwähnt und erläutert, aber durch das perfekte Zusammenspiel von Wort und Bild ist es tatsächlich gelungen, dem Leser etwas zu vermitteln, was er sonst nur selbst in der freien Natur erfahren könnte. Eine Zeile von Christian Morgenstern charakterisiert dies äußerst treffend: „Es gibt keine Seele, die nicht ihr Wattenmeer hätte, in dem zur Zeiten der Ebbe jedermann spazieren gehen kann.“



In vier großen Themenbereichen bereist der Betrachter bzw. Leser das Wattenmeer der schleswig-holsteinischen Westküste. In Luftaufnahmen, beeindruckenden Landschafts- und Meerbildern sowie detaillierten Makroaufnahmen, die auch die Welt der „Wattenmeerzwerge“ zeigen, wird die Natur vor unserer Haustür wahrhaft zu einem „magischen“ Ort.

„Prädikat wertvoll – In Schlick und Sand stecken einzigartige Werte für die gesamte Menschheit“ erläutert die Hintergründe und die Bedeutung der Auszeichnung „Weltnaturerbe“.

„Bewegte Landschaft“ verdeutlicht, dass der Naturraum Wattenmeer einem ständigen Wandel unterzogen ist: der Küstenverlauf ändert sich, Dünen, Strände oder Inseln entstehen und vergehen.

Im Kapitel „Lebendiger Reichtum“ lernt man die Artenvielfalt der Fauna und Flora kennen. Der letzte Abschnitt „Wandel im Watt“ zeigt Fotoserien, die an verschiedenen Standorten entstanden und quasi im Zeitraffer den Jahresablauf aus einer täglich identischen Perspektive veranschaulichen.

Diese hervorragend komponierte Publikation darf als sanfte Mahnung verstanden werden, unseren Nachkommen dieses einmalige Erbe zu erhalten.


Weltnaturerbe
Wattenmeer.
Von Martin Stock und Ute Wilhelmsen

176 Seiten, 178 Farbabb., z.T. ganzseitig, geb., ISBN 978-3-529-05321-4. € 29,90; Wachholtz Verlag.


Der Fotograf

Martin Stock arbeitet als promovierter Biologe in der Monitoringabteilung im Nationalparkamt Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. Außerdem ist er als Fotograf im Nationalpark unterwegs; aus dieser Tätigkeit ging eine Reihe von Publikationen, Kalendern und Bildbänden hervor. In den letzten Jahren hat er das Fotoprojekt „Wandel im Watt“ ins Leben gerufen. Seit einiger Zeit sind seine Bilder auch als Diavographien oder Fine Art Objekte auf Leinwand in verschiedenen Ausstellungen zu sehen.


Die Autorin

Ute Wilhelmsen beschäftigte sich während ihres Biologiestudiums zunächst mit den Tiefen des Ozeanes, bevor sie das Wattenmeer für sich entdeckte. Schon früh fand sie zum Schreiben und arbeitete als Wissenschaftsjournalistin, u. a. für GEO, die FAZ und den NDR. Zurzeit leitet sie die Text- und Bildredaktion beim Forschungszentrum DESY in Hamburg. Die promovierte Meeresbiologin und Autorin hat bereits eine Reihe von Publikationen zum Oberthema „Meer und Küste“ veröffentlicht.





Der "Neue" auf Schloss Gottorf



Seit 15. September ist er der neue Direktor der Abteilung Kunst und Kulturgeschichte der Schleswig-Holsteinischen Landesmuseums: Dr. Jürgen Fitschen. Was die Fachdisziplinen betrifft, hat er damit die Nachfolge von Prof. Dr. Herwig Guratzsch, der sich zum 1. Juni in den Ruhestand verabschiedet hatte, angetreten, bleibt aber sozusagen im Gegensatz zu seinen drei Vorgängern Guratzsch, Spielmann und Witek nicht der erste Mann an der Gottorfer Spitze. Die leitende Funktion als Direktor der „Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf“ hat nun seit über 100 Tagen Prof. Dr. Claus von Carnap-Bornheim inne, Chef der Archäologie auf Gottorf. Jürgen Fitschen unterstehen nun, allerdings zunächst auf 5 Jahre beschränkt – so wollen es die neuen Regularien des Stiftungsrates -, die kunst- und kulturgeschichtlichen Abteilungen.





Ein schweres Erbe einerseits, andererseits ein sicheres Polster, denn Fitschen hat ein eingespieltes Team hinter sich stehen. Die meist ruhige Herbst/Wintersaison wird er zunächst dafür nutzen, sich mit den anderen Kulturschaffenden des Landes sowie seinen Mitarbeitern vertraut zu machen. Ein erstes Projekt, an dem er aktiv mitwirken wird, ist eine Erich-Heckel-Ausstellung (Frühjahr/Sommer 2010), die im Kontext des Ausstellungsschwerpunkts „Klassische Moderne“ schon mehr als überfällig war.

Fitschen, der bisher Direktor des Gerhard-Marcks-Hauses in Bremen war und sich in den letzten Jahren vorwiegend mit zeitgenössischer Bildhauerei befasste, reizt an dieser neuen Position vor allem, „dass es sich um ein Mehrspartenmuseum handelt und das Universum der Kultur abgebildet wird in all seinen Facetten“. Für ihn bedeutet dies so etwas wie „zurück zu den Wurzeln“, hat er doch über mittelalterliche Goldschmiedeplastik promoviert und sich in seinen Assistentenzeiten in den Staatlichen Museen zu Berlin auch mit dem Barock beschäftigt.

Über konkrete Pläne für seine Amtszeit will der „leidenschaftliche Norddeutsche“ noch nicht reden, aber gewisse Ideen gibt es natürlich schon. Diese betreffen vorrangig die Präsentation der eigenen Sammlungen. Was bleibt beim interessierten Laien aus der Fülle der Exponate nach dem Museumsbesuch in Erinnerung? Meist nicht viel. Fitschens Konzept: „Was ist unser Sammlungsbestand? – Was sind die Hauptwerke? – Was für eine Geschichte wird erzählt?“ Man müsse die Geschichte des Landes um die Glanzstücke des Museums so präsentieren und strukturieren, dass sie von jedem erfasst und wiedergegeben werden kann. Eine ansprechende Darstellung kombiniert mit einem Schuss sanfter Didaktik, könnte man sagen. Die eigentliche Leistung bestünde ja darin, nicht auf Vollständigkeit abzuzielen, sondern auf eine konzentrierte Auswahl: „Pars pro toto“ sozusagen.

Auch sei die Zeit reif dafür, dass Landesmuseen über ihre traditionelle Aufgabe des Sammelns, Bewahrens und Forschens hinausschauten. Sie sind zwar Verwalter des kulturellen Gedächtnisses eines Landes, aber dieses Grundverständnis sollte auch lebendig nach Außen transportiert werden und stets den Bezug zur Gegenwart illustrieren.

Weitere Aufgaben könnten im Ausbau des Barockgartens liegen, in der Umgestaltung des Skulpturenparks, in der Ausrichtung von Veranstaltungen und Festen. „Wir könnten hier viel Spaß haben“. Vielleicht lässt sich einiges davon von der vom Ministerpräsidenten und Stiftungsratsvorsitzenden Peter Harry Carstensen zugesicherten 5-Millionen-Finanzspritze verwirklichen.

Ob mit dem jungen, unkomplizierten Kunsthistoriker auch ein frischer Wind einzieht in die alten Gemäuer, wird sich zeigen. Er selbst schaut zumindest zuversichtlich in die Zukunft.