Dienstag, 31. März 2009

Mythos, Strom und eine Malerfürstin


Nach 85 Jahren wird erstmals wieder das berühmte „blue portait“ des Erfinders Nikola Tesla (1856-1943), dem „Meister der Blitze“ gezeigt. Das Gemälde der exzentrischen Malerfürstin Vilma Lwoff-Parlaghy (1863-1923), das jahrelang als verschollen galt, ist Mittelpunkt der aktuellen Ausstellung des NordseeMuseums, mit der der neue Leiter der Husumer Museumslandschaft Dr. Sven-Hinrich Siemers sozusagen seinen Einstand feiert.

Nikola Tesla, ein gebürtiger Kroate, der in Amerika wirkte, mag man als vergessenes Genie betrachten: weit über 100 Patente hat er angemeldet, ihm verdanken wir den Wechselstrom, die moderne Radio-Technik, sogar den Roboter. Tesla „steckt“ sozusagen fast in jedem elektrischen Gerät unseres Alltags. Er gilt als Erfinder der Leuchtstoffröhren, erkannte als erster die Gefährlichkeit der Röntgenstrahlen und seine „Tesla-Spule“ legte den Grundstock für die Fernsehtechnik.

Mit eben jener Spule konnte er künstliche Blitze erzeugen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein wahrhaft geheimnisvoller Effekt, den sich Tesla zu Nutzen machte.


Denn 1916 wurde das Tesla-Porträt der adligen Künstlerin auf ganz besondere Weise präsentiert: es wurde in ein blaues Licht getaucht, das „special man-made north light“ wie die New York Times damals schrieb. Eingetaucht in das blaue Nordlicht inszenierte der Erfinder sich und sein einziges malerisches Porträt. Das „blue portrait“ ging in die Geschichte ein. Als Ludwig Nissen 1924 den künstlerischen Nachlass von Vilma Lwoff-Parlaghy erwarb und in die Husumer Nissenstiftung überführte, begann das Bild in Vergessenheit zu geraten. Lange Jahre schlummerte es unerkannt im Archiv und wurde 1991 vom damaligen Leiter des Museum Dr. Cornelius Steckner wiederentdeckt. Aber erst 2006 im „Tesla-Jahr“ begann das Tesla-Museum Belgrad erneut mit der Suche und stieß auf Husum und Dr. Astrid Fick. So konnte das Bild, das man über Jahrzehnte lediglich als Männerbildnis führte, eindeutig als Tesla-Porträt identifiziert werden.

Als Dr. Siemers im Januar dieses Jahres sein Amt antrat, entschloss er sich, das Bild restaurieren zu lassen, um es endlich wieder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Mit Erfolg: inzwischen geht die Entdeckung durch die internationale Presse.

Eingehüllt in das mystisch anmutende baue Licht bildet das Tesla-Porträt nun auch den Mittelpunkt der aktuellen Ausstellung: „Mythos, Strom und eine Malerfürstin“. Gezeigt werden neben allen Porträts aus der New Yorker Periode der Malerin Lwoff-Parlaghy auch ein umfangreicher bebilderter Informationsteil über Leben und Werk Nikola Teslas, bereitgestellt von der Tesla-Society Schweiz, sowie die interessante Komponente über Dinge des täglichen Lebens, deren Existenz auf Teslas Erfindungsreichtum zurückgehen.



Sven-Hinrich Siemers, promovierter Vor- und Frühhistoriker, verweist mit dieser Ausstellungsgestaltung auch auf sein zukünftiges Konzept. Zum einen möchte er Geschichte lebendig gestalten und mit sog. „Living-History-Projekten“ erfahrbar machen, zum anderen möchte er die Pluspunkte des NordseeMuseums stärker herausarbeiten. Das ist

beispielsweise die umfangreiche Sammlung nordamerikanischer Kunst vom Bürgerkrieg bis zum 1. Weltkrieg, die dem Stifter Ludwig Nissen zu verdanken ist, oder die landestypischen Aspekte „Meer und Mensch“. Es stelle, so Siemers, einen nicht zu unterschätzenden Faktor für den hiesigen Tourismus dar, wenn man mit gezielten Aktionen (Stichwort: Living History) das Leben der Menschen an der Küste nicht nur auf Schautafeln präsentieren würde, sondern als „Live“-Erlebnis. Das Ostenfelder Bauernhaus und das Schloss vor Husum böten sich hier als hervorragende Kulissen an. Denn die Bewahrung und das Bewusstmachen der eigenen Kultur haben identitätsstiftenden Charakter, auch noch für die nachfolgenden Generationen.

Bleibt zu hoffen, dass für solch zukunftsweisende Projekte auch die nötigen Mittel zur Verfügung gestellt werden – aus öffentlicher und privater Hand.


Mythos, Strom und eine Malerfürstin. Bis 14. Juni 2009

NordseeMuseum Husum – Nissenhaus; Herzog-Adolf-Straße 25, 25813 Husum;Tel. 04841-2545

Öffnungszeiten:April bis Oktober – täglich 10-17 Uhr;November bis März – täglich außer montags von 11-17 Uhr

info@museumsverbund-nordfriesland.de;

www.museumsverbund-nordfriesland.de

Dienstag, 3. März 2009

Der Nordseefrühling kommt...

Im sechsten Ausstellungsjahr richtet das Tönninger Hotel Miramar (Eiderstedt/Schleswig-Holstein) seinen Schwerpunkt neu aus und möchte vor allem die Kulturlandschaft Eiderstedt/ Westküste in den Mittelpunkt seiner Aktivitäten rücken.

Zwei der diesjährigen Ausstellungen werden in Zusammenarbeit mit dem „Kunst Klima“ durchgeführt. Kunst-Klima ist ein Projekt von über 50 Eiderstedter Künstlerinnen und Künstlern, die sich mit gemeinsamen Ausstellungen und Broschüren einer interessierten Öffentlichkeit vorstellen (http://www.kunstklima.de). Der Begriff „Kunst-Klima“ ist dabei ganz wörtlich zu nehmen: denn wer hier im rauen Klima der Nordseeküste wohnt, ist natürlich auch direkt von der Landschaft und seinen Besonderheiten beeinflusst und lässt dies in seine Arbeiten mit einfließen.

Zum Saisonstart am 15. März zeigen 10-15 regionale Künstler daher Werke zum Thema „Nordseefrühling“, die größtenteils eigens für diese Ausstellung entstanden sind und von einer fachkundigen Jury ausgewählt wurden. Der regionale und der jahreszeitliche Bezug soll dabei deutlich zum Ausdruck kommen.

Diese erste gemeinsam vom Kunst-Klima und vom Hotel Miramar organisierte Ausstellung soll einen Akzent setzen, der den Impuls zu weiterer, kreativer Zusammenarbeit geben wird.

„Nordseefrühling“ – welche Assoziationen löst dieser Begriff bei den Künstlern aus? Und was macht einen Frühling an der Nordsee so besonders? Die künstlerischen Antworten darauf sind so vielfältig wie die angewandten Techniken; aber dennoch haben sie Gemeinsamkeiten: sie alle sind geprägt durch die raue Natur der Küste, in der man Jahr für Jahr das Gefühl hat, der Frühling müsse sich sein Erwachen besonders hart erkämpfen. Und das spürt man auch in den Bildern und Fotografien: sie schweben zwischen der frühlingshaft-leichten Aufbruchsstimmung und einer zarten Melancholie angesichts der unzähmbaren Naturgewalten, die ein laues Frühlingslüftchen jederzeit in einen unfreundlichen Frühjahrssturm verwandeln können. Genau in diesem Spannungsfeld bewegen sich die Arbeiten der Kunst-Klima-Künstler und geben so auch dem Betrachter Anstöße, über die Kulturlandschaft Eiderstedt zu reflektieren.

Folgende Künstler haben ihre Teilnahme zugesagt:

Thomas Freund; Urte Westphal-Kolb; Sibille Rehder; Karen Seggelke; Ursula Schultz-Spenner; Helga Hoppe; Karin Dreyer; Elena Steinke; Edda Maria Schmidtke; Sigrid Nolte Schefold; Frauke Petersen; Christine Hahn; Manfred Hahn; Monika Rathlev, Linda Hamkens.


Eröffnung: 15.3.2009, 11.30 Uhr. Einführung in die Ausstellung: Dr. Katrin Schäfer

Hotel Miramar, Westerstr. 21, 25832 Tönning, Tel.: 04861-9090. Öffnungszeiten: tägl. 8.00 Uhr bis 23.00 Uhr. Bis 3. Mai 2009. http://www.miramar-hotel.de/