Donnerstag, 2. April 2009

"Der Schimmelreiter"


Pünktlich zur Saisoneröffnung wurde im Storm-Haus Husum eine neue Dauerausstellung eingerichtet. Sie widmet sich der Entstehung und Bedeutung von Theodor Storms bekanntester Novelle „Der Schimmelreiter“. Dr. Gerd Eversberg und sein Team haben auf zwei Räumen Exponate wie zeitgenössische Bilder und Fotografien, Original-Handschriften, Bücher, Quelltexte, Konzepte und Entwürfe des Autors zusammengetragen. Ausstellung und begleitender Katalog rezipieren sozusagen die Schimmelreiter-Forschung der letzten 50 Jahre.

Genutzt werden bei der Präsentation auch moderne Medien; so zeigt ein Flachbildschirm Ausschnitte aus der dokumentarischen Verfilmung von Wilfried Hauke, während im benachbarten Kabinettraum im wahrsten Sinne des Wortes „Die Handschrift redet“; Mittelpunkt des Raumes ist eine Vitrine mit Handschriften und dem silbernen Tintenfässchen von Storm, eingerahmt von Meter großen, frei hängenden „Korrekturfahnen“ und einer akustische Untermalung, die Textpassagen aus dem Schimmelreiter rezitiert.

Die beiden Räume dokumentieren quasi multimedial den Arbeits- und Schreibprozess von der ersten Idee, der Spukgeschichte aus der 1838 erschienenen Zeitschrift „Danziger Dampfboot“, über die ersten Entwürfe 1886, den Beginn der Reinschrift 1887 und die Fertigstellung und Drucklegung im Todesjahr Storms 1888.

Ebenso wird den Fragen nachgegangen, auf welche Quellen sich Storm bezog, wo und wann er seine Novelle verortet und wer die Vorbilder für die Gestalt des Deichgrafen Hauke Haien waren.

Mit der Geschichte und der Technik des Deichbaus war Storm vertraut, da bereits sein Vater den Posten eines „Deichbandcommitirten“ ausfüllte.

Den zeithistorischen Hintergrund bildet die Spanne vom späten 15. Jahrhundert bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts, eine Zeit, die vom dramatischen Kampf der Marschbewohner gegen die Gewalten des Meeres besonders geprägt waren. Die Handlungsorte kann man hingegen genau festlegen: der „Schimmelreiter“ spielt in der heutigen Hattstedter Marsch; das in der Novelle erwähnte Geestdorf dürfte Hattstedt gewesen sein. Die Landschaftsbilder entsprechen denen seiner unmittelbaren Heimat, dem Land zwischen Geest und Nordseeküste.

Die Protagonisten der Novelle sind fiktiv, haben aber durchaus ihre Vorbilder. Man nimmt an, dass bestimmte Charakterzüge historischer Persönlichkeiten beispielsweise in die Figur des Hauke Haien einflossen: Hans Momsen (1735-1811), Mathematiker, Astronom und Landvermesser; Johann Iwersen Schmidt (1798-1875) aus Lundenberg oder auch der Amtshöftmann Jens Thoms Jensen (1798-1846).

Die Wirklichkeit bot Theodor Storm also die Vorlagen und er nutzte sie wie Bausteine, mit denen er seine Novelle zusammensetzte.

Theodor Storm erlebte die Verlagsauslieferung seines „Schimmelreiter“ im Herbst 1888 nicht, er verstarb am 4. Juli 1888. Aber durch seine Novelle, die seit Generationen als die Personifizierung des Kampfes des Menschen gegen die Urgewalten der Natur gilt, lebt auch der Autor bis heute weiter: in den Köpfen seiner Leser und in der Wasserreihe 31 in Husum.



Storm-Haus; Wasserreihe 31, 25813 Husum.

Öffnungszeiten:

April-Oktober, Di.-Fr. 10-17 Uhr, Sa. 11-17 Uhr, So. u. Mo. 14-17 Uhr.


Zur Ausstellung ist ein Katalog erhältlich:

Theodor Storms “Schimmelreiter“. Hg. v. Gerd Eversberg/ Theodor-Storm-Gesellschaft.

Heide: Boyens-Buchverlag. 2009; 6,90 Euro.

Mittwoch, 1. April 2009

Ulf Petermann - Maler des Nordens

Ulf Petermann, 1950 in Brunsbüttel geboren, hat Studien- und Künstlerjahre in Kiel verbracht und wohnt nun schon seit ein paar Jahren in Schobüll, kurz vor der Überfahrt nach Nordstrand, dort, wo er auch seine liebsten malerischen Themen findet: die Weite der Landschaft, den hohen nordischen Himmel mit seinem unvergleichlichen Wolkenspiel, Watt und Schlick, wasserdurchzogene Priele, Salzwiesen und diese seltsame Mischung aus graubrauner Eintönigkeit, farbigen Lichtspielen in Pfützen und wind- und wettergegerbter Landschaft.



Seine neuesten Arbeiten, fast alle aus den Jahren 2008/2009, sind derzeit im Haus Peters in Tetenbüll zu sehen. In beinahe 40 Arbeiten zeigt Petermann seine bekannten Motive, die diesmal auf Amrum, Sylt und vor allem in St. Peter-Ording entstanden sind und damit auch einen Eiderstedter Akzent, passend zum Ausstellungsort, setzen.

Petermann bleibt in seinen Landschaftsbildern stets einem gegenständlichen Realismus verpflichtet. Die Anregungen dafür holt er sich direkt vor der Natur, wo Skizzen und kleine Ölstudien entstehen; zuhause dann im Atelier gilt es, die Natur immer wieder aufs Neue zu erfinden und die kleinen Studien in Gemälde umzusetzen.

Mit dieser Tendenz zur Freilichtmalerei fügt er sich in die Künstlerbewegung der so genannten „Norddeutschen Realisten“ ein.

Petermann ist ein Meister des Lichts und der Landschaft und hat sich mittlerweile einen festen Platz in der norddeutschen Gegenwartskunst gesichert.

Mit genauer Beobachtungsgabe, verhaltener Farbigkeit und einer lebendigen Leichtigkeit zaubert er Landschaften, die durch eine besondere Authentizität bestechen: authentisch deswegen, weil sie nicht verfälschen und beschönigen, authentisch auch deswegen, weil man beim Betrachten den Sand unter den Füßen zu fühlen glaubt, den Wind in den Haaren spürt und die salzige Luft einatmet.

Ulf Petermanns Bilder leben – so dass seine Malerei im engsten Wortsinn zum Erlebnis wird.



Haus Peters; Dörpstraat 16; 25882 Tetenbüll; 04862-681

Dauer der Ausstellung: 5. Juli 2009

Dienstag bis Sonntag: 14 bis 18 Uhr

Ab 31.5. von 11 bis 18 Uhr

Feiertage geöffnet( außer Karfreitag)

Eintritt frei

Termin: 17.5.: Internationaler Museumstag: 11 bis 18 Uhr

11 Uhr: Führung mit Brigitta Seidel durch Haus und Garten

15 Uhr: Ulf Petermann führt durch seine Ausstellung

Ab 14 Uhr: Kaffee und selbstgebackenen Kuchen