Montag, 22. Juni 2009

Sommerkinder am Meer – Kultursommer im Hotel Miramar


„Sommerkinder am Meer“ lautet das Thema des sommerlichen Ausstellungsprogrammes, das vom 4. Juli bis 30. August im Tönninger Hotel Miramar läuft. Erneut erarbeiten Künstler des Kunst-Klimas themenspezifische Bilder, um möglichst facettenreich die Vielfalt der regionalen Kunst zu präsentieren. Die Ausstellung ist gleichzeitig ein Beitrag zum schleswig-holsteinischen Kultursommer mit dem Schwerpunktthema „Deutschland“.

„Kunst-Klima“ ist ein Projekt von über 50 Eiderstedter Künstlerinnen und Künstlern, die sich mit gemeinsamen Ausstellungen und Broschüren einer interessierten Öffentlichkeit vorstellen (http://www.kunstklima.de/kk.htm). Teilnehmen werden diesmal u.a. Karin Dreyer, Frauke Petersen, Fred Bandekow, Ulrike Lüth und Jens-Peter Schneider.

Mit dabei sind auch wieder die „KUKIs“ – unter der Leitung der Kunstpädagogin Regina Janzen. KUKI – das heißt „Kunst und Kultur für Kids“; in fortlaufenden Kursen treffen sich dort regelmäßig Kinder und Jugendliche zum bildnerischen Gestalten. Dabei entstehen nicht nur Einzelarbeiten, sondern auch großformatige Gemeinschaftskunstwerke. Inspiriert von der Niki de Saint Phalle-Ausstellung auf Schloss Gottorf haben die die jungen Künstler Arbeiten im Stil der „Nanas“ entworfen, u.a. eine ca. 2m große Figur, die „kecke Kiki“, die gegen ein Spenden-Höchstgebot sogar während der Ausstellung versteigert wird!

Zu den „Kukis“ stößt eine Gruppe von Jugendlichen der kunstpädagogischen Malgruppe der Hamburger Kunsthalle hinzu, die vom museumspädagogischen Dienst betreut werden. Jugendliche im Alter von 12 – 15 haben sich ebenfalls von dem Thema „Sommerkinder“ anregen lassen und leiten damit gleichzeitig eine Art „Kulturaustausch“ zwischen den Hamburger-Kunsthallen-Kindern und denen von KUKI ein.

Das Ausstellungsmotto „Sommerkinder am Meer“ ist also in diesem Fall mehrdeutig zu verstehen: es werden nicht nur die Perspektiven professioneller Künstler gezeigt, die Kinder zum Thema ihrer Arbeiten machen, sondern die Kinder selbst werden zu aktiven Teilnehmern und stellen ihre künstlerischen Ergebnisse im Kontrast zu den Sichtweisen der „Großen“ zur Diskussion.

Im Rahmen des Kultursommers darf jetzt schon auf eine weitere Veranstaltung hingewiesen werden: am 1. August findet im hoteleigenen Restaurant „Windrose“ ein Krimi-Dinner mit dem Schauspieler-Duo „Schnack & Schnick“ (Elke Colon und Rüdiger Michel - http://schnackschnick.npage.de/) statt. Eine Lesung, die von tödlichen Genüssen erzählt, wird mit einem mehrgängigen Menü kombiniert.

Garniert wird das Ganze von schmackhaften Kochrezepten, die den Gästen zusätzlich das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen: ein gleichermaßen lukullischer wie spannender Abend ist garantiert.



Eröffnung: 4. Juli 2009, 19 Uhr. Zur Eröffnung sprechen Klaus Dreyer und Dr. Katrin Schäfer. Ausstellungsdauer: 4.7.-30.8.2009

Krimi-Dinner mit dem Duo „Schnack & Schnick“: 1.8.2009, 19 Uhr.

Hotel Miramar, Westerstr. 21, 25832 Tönning, Tel.: 04861-9090. Öffnungszeiten: tägl. 8.00 Uhr bis 23.00 Uhr. http://www.miramar-hotel.de/

Sonntag, 7. Juni 2009

Das Notenbuch meines Herzens - Friedrich Hebbel

Die Jahrestagung (5./6.6.) der Hebbel-Gesellschaft in Wesselburen stand in diesem Jahr unter der schlichten Überschrift „Ich, Friedrich Hebbel, aus Wesselburen“.

Der Sitzung des Vorstands schloss sich wie immer die Mitgliederversammlung an, in der der Sekretär Dr. Hargen Thomsen Einblicke und Ausblicke in die Arbeit und Veranstaltungen der Gesellschaft gab. Die Mitgliederzahlen haben sich – im Vergleich zu den Vorjahren – stabilisiert und auch die Website wird von einer erstaunlich großen Zahl von Besuchern frequentiert.


Präsidentin Prof. Monika Ritzer gab im Anschluss einen Überblick über das internationale Symposion in Wien, das vom 21. - 23. Mai 2009 stattfand. Unter dem Oberthema „Grillparzer und Hebbel: Tragödie im Theater des 19. Jahrhunderts" fand eine fruchtbare Diskussion unter renommierten Literaturwissenschaftler statt, die das Thema kontrovers in ihren Vorträgen referierten.

Der eigentliche Höhepunkt der diesjährigen Hebbel-Tage war allerdings die abendliche, gut besuchte Lesung mit dem Schauspieler Christian Quadflieg. Die fast zweistündige und außergewöhnlich kurzweilige und routiniert vorgetragene Lesung zog die Zuhörer direkt in das Leben des Kristian Friedrich Hebbel hinein; man meinte fast, sich in manchen Passagen plötzlich selbst in den Autor zu verwandeln und sich mit ihm auf die Reise seines Lebens zu begeben, die ihn durch ganz Europa führte.




Durch die intelligent konzipierte Lesung ziehen sich wie ein roter Faden persönliche Aufzeichnungen, die Hebbel selbst als "Das Notenbuch meines Herzens“ – „nach Art eines Tagebuchs“ bezeichnete. Gedichte, Aphorismen und Epigramme lassen das Bild eines Menschen entstehen, der - bedenkt man, dass er im 19. Jahrhundert lebte, - erstaunlich freizügig, polemisch und bisweilen geradezu sarkastisch war. Hebbel präsentiert sich hier als Bohemien, Globetrotter und Mensch, der das Leben trotz widriger finanzieller und gesundheitlicher Bedingungen genießt. Aphorismen wie "selbst im Fall einer Revolution würden die Deutschen sich nur Steuerfreiheit, nie Gedankenfreiheit zu erkämpfen suchen", zeugen von einem äußerst modern denkenden Geist. Von der heimatlichen Provinz Dithmarschen hat er sich längst distanziert, gelegentliche spitze Seitenhiebe teilt er aber immer wieder in seinen Briefen aus. Sein Weg führt ihn von Hamburg, wo auch seine langjährige Geliebte Else Lensing wohnt, aus deren Verbindung uneheliche Kinder hervorgingen, nach Straßburg, München, Kopenhagen, Paris, Rom und schließlich nach Wien, wo er die Burgschauspielerin Christine Enghaus heiratet – allerdings weniger aus Liebesgründen, sondern praktischen finanziellen Erwägungen heraus.

Sechs Monate vor seinem Tod schrieb er diese Zeilen: „Nimm mir das Leben, wenn du mir das Leid nicht ersparen kannst.“ Am 13. Dezember 1863 stirbt er 50jährig an den Folgen einer Knochenerweichung und rheumatischen Erkrankung, die vermutlich auf seine entbehrungsreichen Jugendjahre zurückgehen.

Virtuos hat Christian Quadflieg an diesem Abend einen Hebbel auferstehen lassen, wie ihn selbst ausgesprochene Hebbel-Liebhaber oder- Forscher nicht gekannt haben: einen Menschen nämlich, der es im 19. Jahrhundert gewagt hat, der kleinbürgerlichen Moral seiner Zeit zu entfliehen und dies auch mit spitzer Zunge zu Papier zu bringen.



Den Abschluss bildete dann am Sonntagmorgen eine Matinee mit dem Hebbel-Preisträger Heiner Egge. Die Novelle „Die Fußreise” ist eine ironisch und gleichzeitig liebevolle Hommage an die berühmtesten „Söhne“ der Westküste, die zusammen philosophierend und dichtend durch Schleswig-Holstein ziehen: Krischan aus Wesslingburen, Theodor Storm und die Mommsen-Brüder.


Hebbel-Gesellschaft e. V.
Österstr. 6
25764 Wesselburen

Telefon: +49 (0 48 33) 41 90
Telefax: +49 (0 48 33) 41 91


Hebbel Museum; Österstraße 6; 25764 Wesselburen

Tel.:04833-4190
Fax: 04833-4191

http://www.hebbel-museum.de/

http://www.hebbel-gesellschaft.de/index.html


Aktuelle Publikationen:

- Hebbel-Jahrbuch 64/2009. Boyens Verlag. 24,- Euro

- Amalia Schoppe. „...das wunderbarste Wesen, so ich je sah“. Hg. von Hargen Thomsen. Aisthesis Verlag. 128,- Euro.