Samstag, 10. Oktober 2009

Weltnaturerbe Wattenmeer

Im Juni 2009 erklärte die UNESCO den Naturraum Wattenmeer offiziell zum Weltnaturerbe. Weltweit erhielten diesen „Nobelpreis der Natur“ nur 176 einzigartige Naturlandschaften wie beispielsweise der Gran Canyon oder die Galapagos-Inseln. 10.000 Quadratkilometer umfasst das Schutzgebiet und erstreckt sich über 400km Küste; und nun liegt es an den angrenzenden Ländern Schleswig-Holstein, Niedersachsen und den Niederlanden dieses Erbe auch für die nachfolgenden Generationen zu bewahren.

Ein einzigartiger, faszinierende Bildband des Fotografen Martin Stock, ergänzt durch einfühlsame, zum Teil nachdenkliche, zum Teil wissenschaftliche Texte von Ute Wilhelmsen, stellt nun das „Weltnaturerbe Wattenmeer“ einer breiteren Öffentlichkeit vor.

Die umfangreiche Publikation mit über 170 Abbildungen, von denen viel sogar doppelseitig zu sehen sind und in unvergleichlichen Perspektiven eine spröde, oft raue Welt porträtiert, deren Schönheit und Poesie sich oftmals erst auf den zweiten Blick erschließt, ist alles andere als eine nüchterne wissenschaftliche Berichterstattung. Zwar werden alle wichtigen Fakten erwähnt und erläutert, aber durch das perfekte Zusammenspiel von Wort und Bild ist es tatsächlich gelungen, dem Leser etwas zu vermitteln, was er sonst nur selbst in der freien Natur erfahren könnte. Eine Zeile von Christian Morgenstern charakterisiert dies äußerst treffend: „Es gibt keine Seele, die nicht ihr Wattenmeer hätte, in dem zur Zeiten der Ebbe jedermann spazieren gehen kann.“



In vier großen Themenbereichen bereist der Betrachter bzw. Leser das Wattenmeer der schleswig-holsteinischen Westküste. In Luftaufnahmen, beeindruckenden Landschafts- und Meerbildern sowie detaillierten Makroaufnahmen, die auch die Welt der „Wattenmeerzwerge“ zeigen, wird die Natur vor unserer Haustür wahrhaft zu einem „magischen“ Ort.

„Prädikat wertvoll – In Schlick und Sand stecken einzigartige Werte für die gesamte Menschheit“ erläutert die Hintergründe und die Bedeutung der Auszeichnung „Weltnaturerbe“.

„Bewegte Landschaft“ verdeutlicht, dass der Naturraum Wattenmeer einem ständigen Wandel unterzogen ist: der Küstenverlauf ändert sich, Dünen, Strände oder Inseln entstehen und vergehen.

Im Kapitel „Lebendiger Reichtum“ lernt man die Artenvielfalt der Fauna und Flora kennen. Der letzte Abschnitt „Wandel im Watt“ zeigt Fotoserien, die an verschiedenen Standorten entstanden und quasi im Zeitraffer den Jahresablauf aus einer täglich identischen Perspektive veranschaulichen.

Diese hervorragend komponierte Publikation darf als sanfte Mahnung verstanden werden, unseren Nachkommen dieses einmalige Erbe zu erhalten.


Weltnaturerbe
Wattenmeer.
Von Martin Stock und Ute Wilhelmsen

176 Seiten, 178 Farbabb., z.T. ganzseitig, geb., ISBN 978-3-529-05321-4. € 29,90; Wachholtz Verlag.


Der Fotograf

Martin Stock arbeitet als promovierter Biologe in der Monitoringabteilung im Nationalparkamt Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. Außerdem ist er als Fotograf im Nationalpark unterwegs; aus dieser Tätigkeit ging eine Reihe von Publikationen, Kalendern und Bildbänden hervor. In den letzten Jahren hat er das Fotoprojekt „Wandel im Watt“ ins Leben gerufen. Seit einiger Zeit sind seine Bilder auch als Diavographien oder Fine Art Objekte auf Leinwand in verschiedenen Ausstellungen zu sehen.


Die Autorin

Ute Wilhelmsen beschäftigte sich während ihres Biologiestudiums zunächst mit den Tiefen des Ozeanes, bevor sie das Wattenmeer für sich entdeckte. Schon früh fand sie zum Schreiben und arbeitete als Wissenschaftsjournalistin, u. a. für GEO, die FAZ und den NDR. Zurzeit leitet sie die Text- und Bildredaktion beim Forschungszentrum DESY in Hamburg. Die promovierte Meeresbiologin und Autorin hat bereits eine Reihe von Publikationen zum Oberthema „Meer und Küste“ veröffentlicht.





Der "Neue" auf Schloss Gottorf



Seit 15. September ist er der neue Direktor der Abteilung Kunst und Kulturgeschichte der Schleswig-Holsteinischen Landesmuseums: Dr. Jürgen Fitschen. Was die Fachdisziplinen betrifft, hat er damit die Nachfolge von Prof. Dr. Herwig Guratzsch, der sich zum 1. Juni in den Ruhestand verabschiedet hatte, angetreten, bleibt aber sozusagen im Gegensatz zu seinen drei Vorgängern Guratzsch, Spielmann und Witek nicht der erste Mann an der Gottorfer Spitze. Die leitende Funktion als Direktor der „Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf“ hat nun seit über 100 Tagen Prof. Dr. Claus von Carnap-Bornheim inne, Chef der Archäologie auf Gottorf. Jürgen Fitschen unterstehen nun, allerdings zunächst auf 5 Jahre beschränkt – so wollen es die neuen Regularien des Stiftungsrates -, die kunst- und kulturgeschichtlichen Abteilungen.





Ein schweres Erbe einerseits, andererseits ein sicheres Polster, denn Fitschen hat ein eingespieltes Team hinter sich stehen. Die meist ruhige Herbst/Wintersaison wird er zunächst dafür nutzen, sich mit den anderen Kulturschaffenden des Landes sowie seinen Mitarbeitern vertraut zu machen. Ein erstes Projekt, an dem er aktiv mitwirken wird, ist eine Erich-Heckel-Ausstellung (Frühjahr/Sommer 2010), die im Kontext des Ausstellungsschwerpunkts „Klassische Moderne“ schon mehr als überfällig war.

Fitschen, der bisher Direktor des Gerhard-Marcks-Hauses in Bremen war und sich in den letzten Jahren vorwiegend mit zeitgenössischer Bildhauerei befasste, reizt an dieser neuen Position vor allem, „dass es sich um ein Mehrspartenmuseum handelt und das Universum der Kultur abgebildet wird in all seinen Facetten“. Für ihn bedeutet dies so etwas wie „zurück zu den Wurzeln“, hat er doch über mittelalterliche Goldschmiedeplastik promoviert und sich in seinen Assistentenzeiten in den Staatlichen Museen zu Berlin auch mit dem Barock beschäftigt.

Über konkrete Pläne für seine Amtszeit will der „leidenschaftliche Norddeutsche“ noch nicht reden, aber gewisse Ideen gibt es natürlich schon. Diese betreffen vorrangig die Präsentation der eigenen Sammlungen. Was bleibt beim interessierten Laien aus der Fülle der Exponate nach dem Museumsbesuch in Erinnerung? Meist nicht viel. Fitschens Konzept: „Was ist unser Sammlungsbestand? – Was sind die Hauptwerke? – Was für eine Geschichte wird erzählt?“ Man müsse die Geschichte des Landes um die Glanzstücke des Museums so präsentieren und strukturieren, dass sie von jedem erfasst und wiedergegeben werden kann. Eine ansprechende Darstellung kombiniert mit einem Schuss sanfter Didaktik, könnte man sagen. Die eigentliche Leistung bestünde ja darin, nicht auf Vollständigkeit abzuzielen, sondern auf eine konzentrierte Auswahl: „Pars pro toto“ sozusagen.

Auch sei die Zeit reif dafür, dass Landesmuseen über ihre traditionelle Aufgabe des Sammelns, Bewahrens und Forschens hinausschauten. Sie sind zwar Verwalter des kulturellen Gedächtnisses eines Landes, aber dieses Grundverständnis sollte auch lebendig nach Außen transportiert werden und stets den Bezug zur Gegenwart illustrieren.

Weitere Aufgaben könnten im Ausbau des Barockgartens liegen, in der Umgestaltung des Skulpturenparks, in der Ausrichtung von Veranstaltungen und Festen. „Wir könnten hier viel Spaß haben“. Vielleicht lässt sich einiges davon von der vom Ministerpräsidenten und Stiftungsratsvorsitzenden Peter Harry Carstensen zugesicherten 5-Millionen-Finanzspritze verwirklichen.

Ob mit dem jungen, unkomplizierten Kunsthistoriker auch ein frischer Wind einzieht in die alten Gemäuer, wird sich zeigen. Er selbst schaut zumindest zuversichtlich in die Zukunft.