Sonntag, 1. November 2009

Rungholt taucht auf!


Eine Ausstellung mit Bildern von Hadi Knütel, Kalligraphien von Karina Reck und einer Bilddokumentation über den Rungholt-Forscher Andreas Busch


Rungholt – was ist das eigentlich? Ein Mythos oder Realität? Es ist beides. Rungholt bewegt sich zwischen mythischer Verklärung, historischer Forschung und der Interpretation durch Künstler und Dichter.

Und genau dieser Spur folgt die aktuelle Ausstellung im Hotel Miramar: „Rungholt taucht auf!“.

Die Ausstellung setzt sich aus drei Schwerpunkten zusammen. Da ist zunächst einmal das historische Rungholt, eine friesische Siedlung, Hauptort der Verwaltungsgemeinde Edomsharde, gelegen ungefähr zwischen dem heutigen Pellworm und der Halbinsel Nordstrand. Die mittelalterliche Siedlung, die für damalige Verhältnisse durchaus wohlhabend war, ging mit der ersten großen Mandränke von 1362 unter. Seitdem ranken sich Sagen und Legenden um diesen Ort, der angeblich durch ein göttliches Strafgericht vernichtet wurde, weil seine Bewohner Gott lästerten. Rungholt wurde dadurch sozusagen zu einem Atlantis des Nordens.

Diese Sagen, die später auch von Dichtern wie Detlev von Liliencron aufgegriffen wurden, hat die Kalligraphin Karina Reck (* 1958) aus Witzwort gekonnt ins Schriftbild gesetzt. Durch die gelungene Komposition von Text, Schrift, Farbe, Schreibwerkzeug und Schreibgrund nähert sie sich dem Inhalt auf reizvolle Weise an und verschafft dem Leser einen neuen Zugang zu altbekannten Texten. Für die Rungholt-Texte hat sie auf Schriften wie die Humanistische Kursive, die Karolingische Minuskel oder die Irisch-angelsächsische Halbunziale zurückgegriffen, die die Texte auch optisch in ihren historischen Kontext setzen.


Ein weiterer Ausstellungsaspekt sind die Funde und Beobachtungen des Nordstrander Rungholt-Entdeckers Andreas Busch. Am 16. Juni 1921 fand er erste Spuren der Rungholt-Siedlung. Er selbst hat seine Forschungsarbeit in zahlreichen Fotografien dokumentiert, die heute als Nachlass im Husumer NordseeMuseum liegen. Für die Ausstellung wurden Reproduktionen der Originalfotos zu informativen Schautafeln zusammengestellt – eine kleine Hommage an einen anerkannten und geehrten Heimatforscher, dessen Nachfahren heute z.T. in der Nähe von Tönning leben.




Hadi Knütel (*1964), freier Künstler aus Dithmarschen, hat sich Rungholt auf ganz individuelle Weise angenähert. In dieser Mischung aus Realität und Sagenhaftigkeit von Rungholt fand er als Mensch der Küste schier unerschöpfliche künstlerische Anregungen. Als surreal arbeitender Maler reizte ihn auch „das fantastische Drumherum“, wie er selbst sagt: „Das Spiel mit Oben (auf der Wasseroberfläche) und Unten (auf dem Meeresgrund); die Fragen: Was für Ängste, Gedanken oder Vorkehrungen gab es unter der Bevölkerung? Wie empfinden die versunkenen Rungholter ihr „postrungholter“ Dasein“? Aus diesen durchaus konkreten Themen ergaben sich nach und nach Bilder, die den Betrachter faszinieren, aber bisweilen auch verstören, weil sie sich in einem Schwebezustand zwischen Wirklichkeit und Fiktion befinden. Knütels Bilder, manchmal zart und verspielt, manchmal eindringlich und mit beinahe mahnendem Charakter, lassen viel Platz für Interpretationen. Und wenn man sich auf sie einlässt, so sieht man Rungholt tatsächlich wieder auftauchen.


Eine Ausstellung also, die sowohl Historikern als auch Kunstfreunden Anreiz für neue Rungholt-Ansätze liefern dürfte.

Dauer der Ausstellung: 14.11. bis 11.1.2010. Öffnungszeiten: tägl. 8.00 Uhr bis 23.00 Uhr.

Eröffnung: 14.11.2009, 17 Uhr.

Es sprechen: Drees Busch (über den Rungholt-Forscher Andreas Busch) und Dr. Katrin Schäfer (über die künstlerische Bearbeitung des Rungholt-Themas)

Hotel Miramar, Westerstr. 21, 25832 Tönning, Tel.: 04861-9090. http://www.miramar-net.de