Freitag, 12. März 2010

Saisonstart im Nolde-Museum




142 Exponate umfasst die 54. Jahresausstellung des Nolde-Museums – und damit weniger Bilder als in den Jahren zuvor. „Weniger ist mehr“ mag manchem dazu einfallen und in der diesjährigen Ausstellung ist dies auch gewollt. Der Schwerpunkt liegt nämlich auf den farbenprächtigen Blumen- und Gartenbildern, jenen Arbeiten, denen man getrost das Prädikat „Nolde-Bilder“ verleihen kann. Denn sie beeindrucken mit einer geradezu ausschweifenden Intensität, der sich der Betrachter nicht entziehen kann.

Auch wenn im Moment noch die Bilder in den Ausstellungsräumen das triste schmutzige Weiß des späten Winters kompensieren können, so sehnt man sich doch schon jetzt nach dem Frühling und dem Sommer, um Innen und Außen (nämlich den Noldegarten) im direkten Vergleich genießen zu können. In diesem Jahr kann der Besucher nicht nur zwischen Malkursen, Restaurantbesuchen und Wanderungen wählen, sondern auch eine Bootsfahrt in einem Nachbau des originalen Nolde-Bootes auf der Schmale buchen. Eine Einladung also, Nolde sozusagen mit allen Sinnen zu genießen.


Blumen- und Gartenbilder, darunter so bekannte Bilder wie „Der große Mohn“ von 1942, finden sich im gesamten Schaffen Noldes; schon seit seiner Kindheit fühlte er sich eng mit der Natur verbunden und legte, wo immer er sich niederließ (Alsen, Utenwarf, Seebüll) Gärten an, um die überbordenden Farbspiele der Natur geradezu rauschaft virtuos in expressive Gemälde und leuchtende Aquarelle umzusetzen. Oft malte er – vor allem Aquarell und mit Kreide - direkt im Garten, um das Unmittelbare und Vergängliche dieser flüchtigen Momente zwischen Aufblühen und Verwelken zu bewahren.

Neben diesem Schwerpunktthema sind natürlich auch wieder Arbeiten aus der Zeit des Malverbots zu sehen, etwa 32 „ungemalte Bilder“, die in Noldes „kleinem, halbversteckten Zimmer“ entstanden sind, auf kleinen Blättchen, aber dennoch voll grenzenloser, freier und farbintensiver Ausdruckskraft.


Ganz anders – beinahe frivol - zeigt er sich in seinen Berliner Aquarellen vom Winter 1910/1911, den er mit seiner Frau Ada in Berlin verbrachte und in denen er vor allem das kokette Nachtleben der Varietés und Cabarets porträtierte: „Ich zeichnete, das Licht der Säle, den Oberflächenflitter, die Menschen alle, ob schlecht oder recht, ob Halbwelt oder ganz verdorben“.

Im ehemaligen Atelier Noldes ist diesmal das Triptychon „Martyrium“ zu sehen, das auf die Christenverfolgung zurückgeht und im Kontext seiner biblischen und Legendenbilder zu sehen ist, ein „grausiges Drama“, wie es der Künstler selbst bezeichnet.


Nolde-Museum Seebüll.

Emil Nolde – Blumen- und Gartenbilder.

Bis 30.11: 10-18 Uhr. Juni-Sept. donnerstags bis 20 Uhr. Nolde Stiftung Seebüll, 25927 Neukirchen

Telefon +49 (0)4664-98 39 30 begin_of_the_skype_highlighting +49 (0)4664-98 39 30 end_of_the_skype_highlighting, Telefax +49 (0)4664-1475

info@nolde-stiftung.de; www.nolde-stiftung.de.

Eintritt: 8,- € Erwachsene; 3,- € Kinder/Studenten; 30,- € Jahreskarte.

Restaurant Seebüll:

Tägl. von 9-23 Uhr. Tel.: 04664/983970


Copyright der Bilder: Nolde-Stiftung Seebüll

Dienstag, 2. März 2010

Weltnaturerbe Wattenmeer

Fotoausstellung mit Arbeiten von Dr. Martin Stock im Hotel Miramar



Mit einer einzigartigen Ausstellung mit Fotos, die alle im Kulturraum Wattenmeer entstanden sind, startet das Hotel Miramar (Tönning/Nordfriesland) in seine diesjährige Ausstellungssaison.

Im Juni 2009 erklärte die UNESCO den Naturraum Wattenmeer offiziell zum Weltnaturerbe. Weltweit erhielten diesen „Nobelpreis der Natur“ nur 176 einzigartige Naturlandschaften wie beispielsweise der Gran Canyon oder die Galapagos-Inseln. 10.000 Quadratkilometer umfasst das Schutzgebiet und erstreckt sich über 400km Küste.

Der Fotograf Martin Stock hat zu diesem Thema 2009 einen faszinierenden Bildband vorgelegt, der das „Weltnaturerbe Wattenmeer“ einer breiteren Öffentlichkeit vorstellt.


Analog zum Bildband porträtiert auch diese Ausstellung eine spröde, oft raue Welt, deren Schönheit und Poesie sich oftmals erst auf den zweiten Blick erschließt. Eine Zeile von Christian Morgenstern charakterisiert dies äußerst treffend: „Es gibt keine Seele, die nicht ihr Wattenmeer hätte, in dem zur Zeiten der Ebbe jedermann spazieren gehen kann.“

Der einzigartige Lebensraum des Weltnaturerbes Wattenmeer wird in ungewohnten Perspektiven und Ausschnitten präsentiert und konzentriert sich geographisch hauptsächlich auf die schleswig-holsteinische Westküste.

Nach Stocks erfolgreicher Ausstellung im vergangenen Herbst im Hotel Miramar („Wattenmeerzwerge“) sind diese Exponate quasi als Ergänzung zu sehen: jetzt stehen nicht mehr nur die kleinen Bewohner des Wattenmeers im Mittelpunkt, sondern die Landschaft an sich in ihrer unglaublichen Vielfalt und steten Wandelbarkeit. In Luftaufnahmen, beeindruckenden Landschafts- und Meerbildern sowie detaillierten Makroaufnahmen wird die Natur vor unserer Haustür wahrhaft zu einem „magischen“ Ort.

Diese hervorragend komponierte Ausstellung Stocks darf – wie auch seine Publikation - als sanfte Mahnung verstanden werden, unseren Nachkommen dieses einmalige Erbe zu erhalten.

Dr. Martin Stock arbeitet als Biologe in der Monitoringabteilung im Nationalparkamt Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. Außerdem ist er als Fotograf im Nationalpark unterwegs; aus dieser Tätigkeit ging eine Reihe von Publikationen, Kalendern und Bildbänden hervor. In den letzten Jahren hat er das Fotoprojekt „Wandel im Watt“ ins Leben gerufen. Seit einiger Zeit sind seine Bilder auch als Diavographien oder Fine Art Objekte auf Leinwand in verschiedenen Ausstellungen zu sehen.


Dauer der Ausstellung: 14.3. – 2.5.2010. Öffnungszeiten: tägl. 8.00 Uhr bis 23.00 Uhr.

Eröffnung: 14.2., 11.30 Uhr; die Eröffnungsrede hält Klaus Dreyer vom Förderverein Kunst und Kultur in Garding/Eiderstedt; der Künstler ist anwesend.

Hotel Miramar, Westerstr. 21, 25832 Tönning, Tel.: 04861-9090. http://www.miramar-net.de; http://www.posterinxl.de


Lesetipp:

Weltnaturerbe Wattenmeer. Von Martin Stock und Ute Wilhelmsen

176 Seiten, 178 Farbabb., z.T. ganzseitig, geb., ISBN 978-3-529-05321-4. € 29,90; Wachholtz Verlag.

© Fotografien: Dr. Martin Stock