Montag, 28. Februar 2011

Landluft - Erzählende Fotografie von Michael Ruff im Biohotel Miramar





Den Auftakt zur diesjährigen Ausstellungssaison im Tönninger Biohotel Miramar macht der Fotograf Michael Ruff (* 1961) aus dem Kreis Steinburg. Er ist seit 1994 als freier Bildjournalist (u.a. beim sh:z) tätig, zeigt seine fotografischen Arbeiten aber bereits seit 1985 in Ausstellungen. Das lässt schon ahnen, dass seine Fotoaufnahmen gleichzeitig den dokumentarischen Charakter aus seiner Arbeit als Bildjournalist betonen als auch der künstlerischen Sichtweise Rechnung tragen.

Unter dem Titel „Landluft“ präsentiert Michael Ruff seine erzählende Fotografie. Impressionen aus Land und Landwirtschaft, aus Marsch und Geest der Westküste fassen die verschiedenen Seiten einer Landschaft ein, die zu Unrecht als rein provinziell verschrien ist. Seine Arbeiten belegen: auch das Ländliche hat seinen eigenen Reiz.


In seinen Fotografien spiegeln sich alle Facetten von Ruffs Arbeit wider: der Fotojournalismus und seine speziellen Lieblingsthemen Mensch und Landschaft.

Gerne wählt er ungewöhnliche Bildausschnitte und verändert beispielsweise ganz bewusst die Größenverhältnisse; Motiv und Betrachter begeben sich damit auch in ein neues Verhältnis zueinander.

Immer wird man gezwungen über die Begrifflichkeiten Objektivität und Subjektivität zu reflektieren, gilt doch gerade der Fotojournalismus als angeblich objektives Medium, um die Wirklichkeit abzubilden. Doch wie Michael Ruff selbst darlegt, ist nichts so subjektiv wie die Fotografie. Denn wer durch die Kamera blickt, tut dies mit stets individuellem Blick. Er interpretiert die Realität durch das Bild – und eine weitere Interpretation gesellt sich durch die Sichtweise des Betrachters hinzu.

Fotografie muss subjektiv sein, um erfolgreich zu sein; denn nur dann kann sie beim Betrachter ein „Aha-Erlebnis“ auslösen.

Meine eigene subjektive Fotografie ist die Suche nach der fremden Welt in der vertrauten. Ein Spiel mit Formen und Farben, das Loslösen der Bildelemente von ihrem alltäglichen Dasein“, formuliert es der Fotograf Ruff selbst.


Die ausgewählten Bilder dieser Ausstellung mit ihren ländlichen, regionalen Motiven harmonieren außerdem mit der aktuellen Umstrukturierung des Hotels Miramar zum ersten Bio-Hotel in Schleswig-Holstein. Das angeschlossene Restaurant Windrose mit seinem neuen Küchenchef schlägt ebenfalls den neuen Bio-Weg ein und verwendet ausschließlich regionale, saisonale Produkte aus kontrolliert biologischem Anbau.

Ausstellungsdauer: 13. März bis 29. April

„Michael Ruff: Landluft.“

Eröffnung: 13.3.2011, 11.30 Uhr

Einführung: Dr. Katrin Schäfer

Öffnungszeiten: tägl. 8.00 Uhr bis 23.00 Uhr.

Biohotel Miramar, Westerstr. 21, 25832 Tönning, Tel.: 04861-9090.

http://biohotel-miramar.de http://www.ruffografie.de

Presseanfragen: Dr. Katrin Schäfer, info@k-a-t-i.de; 04841/939662

© Fotos: Michael Ruff

Kurzporträt Biohotel Miramar:

Das Biohotel Miramar auf der Halbinsel Eiderstedt (Nordfriesland) liegt nur wenige Schritte vom historischen Tönninger Marktplatz und dem idyllischen Hafen entfernt. Das Gebäude, das eine lange Geschichte hat, wurde vor über 10 Jahren von Uwe Peters, der auch heute noch der Direktor ist, modernisiert und zu einem Hotel mit besonderem Flair ausgebaut, das norddeutsche Tradition mit einem beinahe mediterranen Ambiente verbindet. Im Jahr 2011 wird das Hotel außerdem zum ersten Bio-Hotel in Schleswig-Holstein umstrukturiert.

Das Biohotel ist behindertengerecht und bietet neben einer Reihe von Spezialarrangements für Einzelreisende oder Familien auch den optimalen Rahmen für Tagungen und Festveranstaltungen.

Das angeschlossene Restaurant Windrose bietet saisonale und typisch regionale Gerichte sowie Menüs zu besonderen Festlichkeiten. Seit März 2011 ist das Restaurant außerdem mit dem Biosiegel zertifiziert. Es werden ausschließlich kontrolliert biologische Produkte verwendet und zudem auf regionale und saisonale Angebote geachtet.

Seit einigen Jahren fühlt sich das Biohotel Miramar auch der Förderung von Kunst und Kultur verpflichtet und präsentiert mehrmals im Jahr Ausstellungen regionaler und international bekannter Künstler.

Donnerstag, 24. Februar 2011

Noldes Frauenbilder

"Cigarettenraucherin und Madonna"

In der diesjährigen Schau des Noldemuseums in Seebüll steht Emil Noldes Frauenbild im Mittelpunkt. Es bewegt sich zwischen den extremen Polen der zigarettenrauchenden Femme fatale („Cigarettenraucherin“) und dem verklärten Frauenbild einer „Madonna“.

Insgesamt zeigt das Nolde-Museum 135 Bilder in größtenteils neuer Auswahl. Dr. Manfred Reuther, dem Direktor der Nolde-Stiftung, ist es auch in diesem Jahr gelungen, aus dem reichen Fundus fast unbekannte Werke zu präsentieren; beispielsweise das frivol-dämonische Frauenbild „Tolles Weib“ (1919) oder auch die Folge der „Phantasien“, die 1918 auf der Utenwarft, südwestlich von Tondern, entstanden. Es sind eigenwillige, farbintensive Aquarelle, in denen der Maler so viel Lebensfreude, Humor und Kreativität zum Ausdruck bringt, dass man sich an den ungewöhnlichen Fabelwesen schmunzelnd erfreuen kann.


In all einen Schaffensperioden wählte Emil Nolde das Weibliche als Motiv. Frauen waren sein Leben, allen voran seine beiden Ehefrauen Ada und Jolanthe Nolde, von denen ebenso Porträts zu sehen sind; unverständlich blieben sie ihm dennoch.

Er hat sie bewundert, geliebt, vielleicht sogar gefürchtet; das ewige Mysterium Frau aber blieb. Und so huldigte er in seinen Bildern vor allem der Vielfältigkeit und Wandlungsfähigkeit der Frau; er zeigt sie als sorgende Mutter, als Geliebte, als verruchtes Weib, als Heilige und Hure, als Muse, als Verführte und Verführende. Mit seinen Darstellungen führt er den Betrachter vom klassischen Frauenporträt bis zur mythologischen oder gar religiösen Verklärung und macht damit die Ambivalenz seines eigenen Frauenbildes deutlich.

Ein eigenes Kabinett dokumentiert - in Bezug auf das Jubiläum „150 Jahre deutsch-japanische Freundschaft“ - Noldes poetische Sicht auf das „Morgensonnenland“ Japan. Im Oktober 1913 schloss sich Nolde der „Medizinisch-demographischen Deutsch-Neuginea-Expedition“ an; Ziel war Papua-Neuginea, wo Noldes berühmte Südseebilder entstanden. Mit der Transsibirischen Eisenbahn ging es zunächst über Sibirien und die Mandschurei nach Japan, wo Nolde sich ungefähr drei Wochen lang aufhielt und die Eindrücke der fremden japanischen Kultur in leuchtenden Aquarellen und zarten Handzeichnungen festhielt. Viele Figurenstudien, meist junge Frauen in landestypischer Kleidung, sind von den flüchtigen, aber dennoch präzisen Tuschezeichnungen japanischer Künstler inspiriert. In Noldes eigener Sammlung finden sich neben Holzschnitten von Hokusai oder Utamaro auch die typischen No-Masken, die Nolde in späteren Jahren gerne als Vorlagen verwandte (u.a. für das Ölbild „Masken und Georginen“, 1919).

Ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm (u.a. Seebüller Konzerte) mit Emil-Nolde-Specials wie „Chef´s Table“, ein 5-Gänge-Menü, untermalt mit Nolde-Anekdoten, oder „High Tea“, eine private Teestunde im Stile Noldes, runden die diesjährige Saison vortrefflich ab.

Nolde-Museum Seebüll.

EMIL NOLDE – FRAUENBILDER: „CIGARETTENRAUCHERIN UND MADONNA“

Bis 30.11: 10-18 Uhr. Juni-Sept. donnerstags bis 20 Uhr. Nolde Stiftung Seebüll, 25927 Neukirchen

Telefon +49 (0)4664-98 39 30, Telefax +49 (0)4664-1475

info@nolde-stiftung.de; www.nolde-stiftung.de.

Eintritt: 8,- € Erwachsene; 3,- € Kinder/Studenten; 30,- € Jahreskarte.

Restaurant Seebüll: Täglich geöffnet (auch feiertags) im März: 9-19 Uhr, April bis

Oktober: 9-22 Uhr, im November: 9-19 Uhr

Tel.: 04664/983970

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Copyright der Abbildungen: Nolde-Stiftung, Seebüll

Dienstag, 15. Februar 2011

Der menschliche Mikrokosmos


Christiane Malucks malerischer Blick ins Verborgene

In einem Teil der ehemaligen Kaserne „Hungriger Wolf“ in Hohenlockstedt (Kreis Steinburg) hat sich im letzten Jahr so etwas wie eine Künstlerkolonie etabliert. Über 40 Künstler haben dort einen neuen Standort für ihre Ateliers und Galerien gefunden. Die Itzehoer Künstlerin Christiane Maluck ist eine von ihnen. Am 19. März präsentiert sie dort in ihren Räumen eine Ausstellung, mit der sie ihre Ateliergalerie offiziell einweiht.


2011 ist für die Künstlerin ein Jubiläumsjahr: seit 20 Jahren ist Maluck als freischaffende Künstlerin tätig, seit 15 Jahre betreibt sie ihre eigene Malschule und im fünften Jahr nimmt sie mit Projekten an der Kulturnacht Itzehoe teil.

Im Mittelpunkt der Eröffnungsausstellung steht der Mensch – ein typisches Themenfeld der Malerin, das sie oft und gerne variiert und dem sie schon seit 1992 auf verschiedenen künstlerischen Wegen nachspürt. Aber diesmal ist das Thema wesentlich enger, intimer und detaillierter gefasst: Christiane Maluck begibt sich mit ihren großformatigen Acrylbildern auf eine Reise ins Innere des Körpers – in den Mikrokosmos -, sogar hinein in Nervenzellen und Blutbahnen, in Welten also, die zwar jeder Mensch in sich trägt, die man aber mit bloßem Auge nicht zu sehen bekommt. Dieser schonungslose Blick nach Innen wirkt auf viele sicherlich irritierend: man begegnet Viren, die die menschlichen Zellen attackieren, Nervenzellen und Blutkörperchen, Hormonen und Stammzellen und einem Fötus in seiner frühen Entwicklungsphase.

Obwohl Maluck durchaus realistisch nach Vorlagen arbeitet (z.B. Aufnahmen eines Rasterelektronenmikroskops), wirken die Motive durch ihre extreme Vergrößerung und die irreale Farbgebung fremdartig, geradezu abstrakt und auf verstörende Weise rätselhaft.


Aber diese kleine Welt, so fremd sie uns auch erscheint, verbindet doch alle Menschen unterschiedlichen Geschlechts, Alters und Herkunft miteinander durch ihre biologischen Funktionen. Mit der Wahl dieser Thematik möchte die Künstlerin den Betrachter für die einfache Erkenntnis sensibilisieren: alle Menschen sind von Natur aus gleich. Oder, wie Christiane Maluck es selbst formuliert: „Es ist nicht zeitgemäß, nach unserem Wissen über uns, uns gegenseitig zu diskriminieren und zu zerstören und unsere Umgebung gleich mit! Wir handeln damit wider der Natur“.

Die Eröffnung am 19. März wird passend zum Thema gestaltet: die Besucher erwartet ein schummriges Halbdunkel - denn auch unser aller Mikrokosmos liegt im Dunkel – und die Künstlerin fordert sogar zu einem Tabubruch auf: die Bilder dürfen alle berührt und abgetastet werden. Um dieses Kunsterlebnis, das mehrere Sinne zugleich anspricht, auch erlebbar zu machen, hat sie den Arbeiten durch Sand, Spachtelmasse, Glasperlen oder pastosen Farbauftrag eine fühlbare, versiegelte Oberfläche verliehen.

Außerdem erwartet die Eröffnungsbesucher eine kleine Überraschung, die sich sozusagen wie ein „Kunstvirus“ auf alle Anwesenden verbreiten wird.


Eröffnung: 19. März 2011, 17 Uhr, Ausstellungsdauer: 19.3. – 1.5.2011, Öffnungszeiten: Fr.: 16.00 – 18.30 Uhr, Sa.-So.: 14-18 Uhr und nach Vereinbarung.

Ateliergalerie Christiane Maluck, Hungriger Wolf, Towerstr. 11, 25551 Hohenlockstedt, Tel.: 04821-41441, http://www.christiane-maluck.de