Donnerstag, 24. Februar 2011

Noldes Frauenbilder

"Cigarettenraucherin und Madonna"

In der diesjährigen Schau des Noldemuseums in Seebüll steht Emil Noldes Frauenbild im Mittelpunkt. Es bewegt sich zwischen den extremen Polen der zigarettenrauchenden Femme fatale („Cigarettenraucherin“) und dem verklärten Frauenbild einer „Madonna“.

Insgesamt zeigt das Nolde-Museum 135 Bilder in größtenteils neuer Auswahl. Dr. Manfred Reuther, dem Direktor der Nolde-Stiftung, ist es auch in diesem Jahr gelungen, aus dem reichen Fundus fast unbekannte Werke zu präsentieren; beispielsweise das frivol-dämonische Frauenbild „Tolles Weib“ (1919) oder auch die Folge der „Phantasien“, die 1918 auf der Utenwarft, südwestlich von Tondern, entstanden. Es sind eigenwillige, farbintensive Aquarelle, in denen der Maler so viel Lebensfreude, Humor und Kreativität zum Ausdruck bringt, dass man sich an den ungewöhnlichen Fabelwesen schmunzelnd erfreuen kann.


In all einen Schaffensperioden wählte Emil Nolde das Weibliche als Motiv. Frauen waren sein Leben, allen voran seine beiden Ehefrauen Ada und Jolanthe Nolde, von denen ebenso Porträts zu sehen sind; unverständlich blieben sie ihm dennoch.

Er hat sie bewundert, geliebt, vielleicht sogar gefürchtet; das ewige Mysterium Frau aber blieb. Und so huldigte er in seinen Bildern vor allem der Vielfältigkeit und Wandlungsfähigkeit der Frau; er zeigt sie als sorgende Mutter, als Geliebte, als verruchtes Weib, als Heilige und Hure, als Muse, als Verführte und Verführende. Mit seinen Darstellungen führt er den Betrachter vom klassischen Frauenporträt bis zur mythologischen oder gar religiösen Verklärung und macht damit die Ambivalenz seines eigenen Frauenbildes deutlich.

Ein eigenes Kabinett dokumentiert - in Bezug auf das Jubiläum „150 Jahre deutsch-japanische Freundschaft“ - Noldes poetische Sicht auf das „Morgensonnenland“ Japan. Im Oktober 1913 schloss sich Nolde der „Medizinisch-demographischen Deutsch-Neuginea-Expedition“ an; Ziel war Papua-Neuginea, wo Noldes berühmte Südseebilder entstanden. Mit der Transsibirischen Eisenbahn ging es zunächst über Sibirien und die Mandschurei nach Japan, wo Nolde sich ungefähr drei Wochen lang aufhielt und die Eindrücke der fremden japanischen Kultur in leuchtenden Aquarellen und zarten Handzeichnungen festhielt. Viele Figurenstudien, meist junge Frauen in landestypischer Kleidung, sind von den flüchtigen, aber dennoch präzisen Tuschezeichnungen japanischer Künstler inspiriert. In Noldes eigener Sammlung finden sich neben Holzschnitten von Hokusai oder Utamaro auch die typischen No-Masken, die Nolde in späteren Jahren gerne als Vorlagen verwandte (u.a. für das Ölbild „Masken und Georginen“, 1919).

Ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm (u.a. Seebüller Konzerte) mit Emil-Nolde-Specials wie „Chef´s Table“, ein 5-Gänge-Menü, untermalt mit Nolde-Anekdoten, oder „High Tea“, eine private Teestunde im Stile Noldes, runden die diesjährige Saison vortrefflich ab.

Nolde-Museum Seebüll.

EMIL NOLDE – FRAUENBILDER: „CIGARETTENRAUCHERIN UND MADONNA“

Bis 30.11: 10-18 Uhr. Juni-Sept. donnerstags bis 20 Uhr. Nolde Stiftung Seebüll, 25927 Neukirchen

Telefon +49 (0)4664-98 39 30, Telefax +49 (0)4664-1475

info@nolde-stiftung.de; www.nolde-stiftung.de.

Eintritt: 8,- € Erwachsene; 3,- € Kinder/Studenten; 30,- € Jahreskarte.

Restaurant Seebüll: Täglich geöffnet (auch feiertags) im März: 9-19 Uhr, April bis

Oktober: 9-22 Uhr, im November: 9-19 Uhr

Tel.: 04664/983970

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Copyright der Abbildungen: Nolde-Stiftung, Seebüll